Dr. Freund's Multiversum
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Dr. Freund's Statements zu verschiedenen Themen: Aussagen über Politisches, Philosophisches und Unverschämtes.

Statements

Meine Meinung Über mich Aktionen, die ich unterstütze
Ich liebe es, mich aufzuregen!

Auf dieser Seite ist alles das gelandet, was ich schon immer mal los werden wollte, was aber keinen ausführlichen, ganzseitigen Artikel hergab. Die kurzen Kommentare repräsentieren meine persönliche Meinung zu den unterschiedlichsten Themen und oft genug ist es reines Gemecker, weil ich mich über irgendwas ganz furchtbar aufgeregt habe. Es ist also wie üblich nicht alles so wahnsinnig ernst zu nehmen. Aber wer sich trotzdem an der einen oder anderen Aussage stört, der kann gerne auf seiner eigenen Homepage eine abweichende Meinung verkünden oder ganz einfach woanders hinklicken.

Politisches
Über Demokratie und Wahlmüdigkeit

Ich bin zwar nicht politisch engagiert, interessiere mich aber trotzdem dafür, was in diesem, unserem Land vorgeht und habe natürlich auch eine politische Meinung. Deshalb lasse ich es mir auch nicht entgehen, diese Meinung per Stimmzettel kund zu tun, wenn ich bei einer Wahl die Möglichkeit dazu habe.

Nicht- oder Protest-Wähler bringen gewöhnlich die folgenden Argumente vor:

  • "Ich wähle rechtsradikal, weil die anderen Parteien einen Denkzettel brauchen."
    So einen Denkzettel hatten wir schon mal und nachher wollte es keiner gewesen sein...
  • "Ich gebe eine ungültige Stimme ab, damit die grossen Parteien weniger Prozente kriegen."
    Das ist natürlich schon rein mathematisch absoluter Blödsinn! Die Prozente werden nur aus den gültigen Stimmen ermittelt und ergeben in Summe immer 100. Eine ungültige Stimme ist zwar ein symbolischer Akt des Protests, bringt aber letztlich überhaupt nichts.
  • "Ich gehe nicht wählen, weil ich am Sonntag was anderes vor habe."
    Wozu gibt es eigentlich Briefwahl? Manche Leute haben ihr Wahlrecht einfach nicht verdient.
  • "Ich gehe nicht wählen, weil die Politiker doch sowieso machen, was sie wollen."
    Wer nicht wählt, verliert in meinen Augen die Berechtigung, die herrschenden Zustände in irgendeiner Form zu kritisieren. Und wem die existierenden Parteien so missfallen, wie er es am Stammtisch immer behauptet, dem steht es frei, sich aktiv politisch zu betätigen und selbst etwas zu bewegen.

Ich will nicht behaupten, dass Demokratie die perfekte Regierungsform ist, aber wir haben nunmal nichts Besseres.

Über Killerspiele

Ja, ich habe sie auch schon gespielt (sogar mit Spass daran), und ja, ich habe auch manchmal Gewalt-Fantasien (vor allem, wenn ich im Stau stehe). Aber eigentlich bin ich kein ausgesprochener Fan von hektischen Spielen, bei denen das Blut aus dem Monitor spritzt, sondern stehe mehr auf eher harmlose und beschauliche Aufbau- und Strategiespiele. Trotzdem will ich als mündiger Erwachsener, der Realität und Fiktion unterscheiden kann, das Recht haben, mir auch mal die virtuelle Pumpgun zu schnappen, wenn mir danach ist. Das lasse ich mir von keinem Politiker verbieten, der Computerspiele nur vom Hörensagen kennt, aber mit blindem Aktionismus seine Wiederwahl sichern will.
Machen Killerspiele Jugendliche zu Amokläufern? Das wissen letztlich nur die Amokläufer selbst und die nehmen diese Erkenntnis meistens mit ins Grab. Wenn man lange genug stochert, dann findet man tatsächlich heraus, dass viele Amokläufer irgendwann mal Killerspiele gespielt haben. Die haben aber auch Fernsehen geschaut (wo Mord und Totschlag mittlerweile schon im Kinderprogramm ihren festen Platz haben), sie haben das "böse" Internet benutzt (früher hat man den Abschiedsbrief halt noch mit Tinte geschrieben und nicht im Lieblings-Chat veröffentlicht) und sie mussten in einer Welt aufwachsen, in der sich niemand mehr um den Anderen kümmert und jeder nur sich selbst der Nächste ist. Wahrscheinlich hat sogar jeder Amokläufer regelmäßig geatmet, aber ein Luftholverbot wurde bisher trotzdem noch nicht gefordert.
Wenn extrem realistische Killerspiele und besonders labile Menschen aufeinander treffen, dann kann das sicher verhängnisvolle Folgen haben. Womöglich haben Killerspiele aber auch schon so manchen Amoklauf verhindert, weil sich die potentiellen Täter an ihnen abreagieren konnten, anstatt ein wirkliches Blutbad anzurichten. So lange Jugendliche mit Leichtigkeit an Waffen kommen, weil Schiessen als förderungswürdige Sportart betrachtet wird, gibt es jedenfalls genug andere Dinge, die man verbieten kann.

Über die Terror-Gefahr

Terroristen hier, fanatische Islamisten dort, böse Menschen überall! Seit dem 11. September 2001 wird dieses Bedrohungs-Szenario auch bei uns immer wieder gerne bemüht, vor allem wenn es darum geht, zweifelhafte Sicherheits- und Überwachungsgesetze zu rechtfertigen. Wann war denn eigentlich der letzte terroristische Anschlag hier in Deutschland? Nein, ich meine nicht das planlose Gewurschtel irgendwelcher Dilettanten, die schon unter polizeilicher Beobachtung standen, noch bevor sie das Wort "Bombe" zum ersten Mal auch nur gedacht hatten. Kann sich niemand erinnern? Ich auch nicht! In den 1970er-Jahren und Anfang der 1980er-Jahre, da herrschte hier wirklich Terror und da waren die staatlichen Gegenmaßnahmen auch tatsächlich angemessen. Aber mindestens seit sich die RAF (Rote Armee Fraktion, nicht zu verwechseln mit der Royal Air Force) im Jahr 1998 aufgelöst hat, gibt es sowas in Deutschland praktisch nicht mehr. Deshalb prallt die ganze Terrorismus-Hysterie der letzten Jahre spurlos an mir ab und ich lege auch keinen Wert darauf, dass meine bürgerlichen Grundrechte unter dem Vorwand eingeschränkt werden, mich vor diesem Schreckgespenst angeblich schützen zu wollen.

Über fanatische Islamisten und ihr Lieblings-Hobby

So, jetzt muss auch ich mal was zu einem Thema schreiben, über das alle ständig schreiben, denn langsam nervt's. Ich muss allerdings voran stellen, dass ich nicht das Geringste gegen Muslime oder gegen den Islam als Religion habe. Als Atheist sind mir alle Religionen im Grunde gleich wurscht.
Aber kaum taucht irgendwo im Internet ein islam-kritischer Text, eine Mohammed-Karikatur oder ein kurzes Video auf, in dem der Prophet nicht gerade vorteilhaft wegkommt, schon brennen überall in Lampukistan die US-Fahnen. Da ist es auch völlig egal, wenn der Stein des Anstoßes von zweifelhafter Herkunft und total dilettantisch produziert ist. Als Rechtfertigung für blinde Randale oder sogar zum Lynchen von US-Bürgern ist es allemal ausreichend. Ok, einige Bilder und Filme dieser Art mögen wirklich geschmacklos sein und die Gefühle religiöser Menschen verletzen. Auch hat das politische und militärische Vorgehen der USA im arabischen Raum nicht gerade Sympathien geschaffen. Aber bevor man sich zu einem Mob zusammen rottet, um auf völlig Unbeteiligte loszugehen, sollte man doch wenigstens mal abwarten, bis geklärt ist, wer die Sache wirklich veröffentlicht hat und vor allem aus welchen Gründen. Und selbst wenn es tatsächlich ein Islam-Gegner aus dem Westen war und nicht vielleicht doch ein fanatischer Brandstifter aus den eigenen Reihen, dann ist das noch lange kein Grund für irgendwelche Gewalt gegen irgendjemanden. Wem's nicht passt, der muss es sich ja nicht anschauen, nur um sich darüber aufregen zu können. Aber die Meisten, die gewalttätig gegen die vermeintliche Verunglimpfung ihrer Religion protestieren, dürften das Machwerk, das den Auslöser darstellte, ohnehin nur vom Hörensagen kennen.
Liebe Muslime, Ihr müsst da einfach lockerer werden. Hier hat sich doch auch kaum jemand über Monty Python's "Das Leben des Brian" aufgeregt und über den undichten Papst auf dem Titelblatt des Magazins "Titanic" haben wir höchstens müde gelächelt. Und in den Zeiten des Internet herrscht ohnehin der Streisand-Effekt: Je mehr Tumult man um eine unbequeme Veröffentlichung veranstaltet, desto neugieriger werden die Leute und desto schneller verbreitet sich das, was man eigentlich zensieren wollte. Also, das nächste Mal besser cool bleiben, nicht gleich das Feuerzeug an die Fahne halten und falls Ihr solchen Blödsinn nicht komplett ignorieren könnt, dann versucht es vielleicht mal mit einem konstruktiven Dialog. Alles Andere schadet nur der überwiegenden Mehrheit von Euch, die für Toleranz und für einen friedlichen Umgang zwischen den Religionen und Kulturen ist.
Ach, und liebe Politiker, Ihr müsst Euch auch nicht sofort in vorauseilendem Gehorsam und im Namen der gesamten westlichen Welt entschuldigen, wenn auch nur entfernt die Gefahr besteht, dass jemand bei der Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäusserung den Islam angekratzt haben könnte.
Nachtrag:
In der ersten Version dieses Artikels hatte ich "Mohammed" versehentlich nur mit einem "m" geschrieben. Ich hoffe, dass deswegen nicht auch gegen mich der Dschihad ausgerufen wird ...

Philosophisches
Über Religion und Kirche

Die christlichen Prinzipien wie Nächstenliebe oder Gewaltfreiheit sind ja eigentlich nichts Schlechtes. Deshalb bin ich etwas verwundert, dass diese Werte weder in der katholischen noch in der evangelischen Kirche ernsthaft gepflegt werden. Die christlichen Kirchen sind schon seit Jahrhunderten nur noch rein weltliche Institutionen, die allerlei seltsame Rituale aufführen und in erster Linie um die Vermehrung von Macht und Geld bemüht sind. Deshalb habe ich schon vor vielen Jahren die Konsequenz gezogen und bin ausgetreten.
Auch mit dem Glauben habe ich, ehrlich gesagt, so meine Probleme. Wenn man zur Erklärung der Welt einfach ein höheres Wesen postuliert, das nicht weiter hinterfragt werden darf, dann ist das doch nicht wirklich befriedigend. Ausserdem dürfte wohl bei vielem, was so von der Kanzel als einzige Wahrheit verkündet wird, der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein.
Ich möchte jetzt aber keinesfalls falsch verstanden werden. Es gibt weder einen Beweis für einen Gott, noch einen dagegen und deshalb respektiere ich jeden, der an Gott glaubt. Was ich jedoch nicht respektiere, sind religiöse Eiferer, die jede moderne Erkenntnis ignorieren und den kleinsten Zweifel bereits als Blasphemie betrachten.

Über Astrologie, Esoterik und andere Pseudo-Wissenschaften

Eigentlich ist das alles schon tausendfach und mit seriösen wissenschaftlichen Methoden widerlegt worden, aber sie wollen einfach nicht aussterben, die Sterndeuter, Wünschelrutengänger und Mystizisten. Erfahrungsgemäß ist es auch völlig aussichtslos, einen "wahren Gläubigen" mit rationalen Argumenten überzeugen zu wollen. Deshalb will ich das auch gar nicht erst versuchen. Jeder kann glauben, woran er will, solange er damit keinen Schaden für andere anrichtet. Aber genau das ist der Punkt:
Wenn in den Chef-Etagen Horoskope zur Beurteilung potentieller Mitarbeiter herangezogen werden, oder Regierungsentscheidungen vom zufälligen Ausschlag eines Pendels abhängig gemacht werden, dann ist meine Toleranz-Schwelle deutlich überschritten. Und wenn ein Wunderheiler (dazu zähle ich übrigens auch Homöopathen) die lebensrettende medizinische Behandlung seines Patienten verhindert, dann ist das nur noch kriminell.

Unverschämtes
Über Fernseh-Werbung

Ich hasse Werbung! Vor allem wenn ich mich auf einen guten Spielfilm gefreut habe, der dann zu Gunsten ausführlicher "Verbraucher-Informationen" gnadenlos zusammen geschnitten wurde. Wenn ich mir für 90 Minuten Film 5 Werbeunterbrechungen von insgesamt 30 Minuten ansehen muss, dann ist das einfach nur nervig.
Vor einiger Zeit habe ich einen Werbefilm für Werbung gesehen, der eigentlich einer Unverschämtheit gleichkommt. Originalton: "Werbung schafft Arbeitsplätze. Ohne Werbung verschwinden die Arbeitsplätze." Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet das im Klartext: "Sieh Dir immer schön brav die Werbung an und lass Dich von uns so manipulieren, dass Du Dir für teures Geld jeden Schrott kaufst, sonst ist Dein Arbeitsplatz in Gefahr.". Konsum-Terror pur!
Natürlich hat jeder private Fernsehsender das Recht, sein Programm so zu gestalten, wie er will. Dazu gehört auch die Option, rund um die Uhr nur noch Werbung auszustrahlen. Aber glücklicherweise hat jeder Zuschauer dagegen eine sehr wirksame Waffe, nämlich den Abschaltknopf. Und von dieser Waffe mache ich ausgiebig Gebrauch.

Über Nachrichten, die keine sind

Ich arbeite am PC, nebenbei läuft der Fernseher und plötzlich werde ich durch eine Sondermeldung aufgeschreckt. Da sitzt ein bekannter Nachrichtensprecher im gewohnten Nachrichtenstudio und erzählt etwas über ein unerklärliches medizinisches Phänomen. Im Hintergrund sieht man eine blutüberströmte Leiche und es folgen verwackelte "Amateuraufnahmen" aus einem Krankenhaus. Nach einigen Minuten kommt dann endlich der Abspann mit einem Programmhinweis auf die neuste Mystery-Serie. Geht's noch?
Na gut, dieser Fake war noch relativ einfach zu durchschauen. Trotzdem haben einige Verunsicherte stundenlang im Internet über den Wahrheitsgehalt diskutiert, denn es war ja immerhin eine "seriöse" Nachrichtensendung - zumindest der Aufmachung nach. Wenn solcher Blödsinn im Gewand offizieller Nachrichten daher kommt, dann ist das kein origineller Werbegag mehr, sondern einfach nur noch Zuschauerverarschung. Wie wird man uns demnächst hinters Licht führen? Wird in der Tagesschau bald Werbung für den nachfolgenden Krimi gemacht? "Entstellte Leiche gefunden. Erfahren Sie mehr in der anschliessenden Tatort-Sondersendung.". Hat das Erdbeben tatsächlich stattgefunden, oder war das nur der Programmhinweis für einen Katastrophenfilm? Soll man jetzt wirklich Heizöl kaufen, oder ist die Wettervorhersage etwas kälter ausgefallen, weil sie von einem Ölkonzern gesponsort wurde?
Werbung und Nachrichten müssen klar unterscheidbar sein. Alles andere untergräbt auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit und macht Nachrichten zum reinen Kasperle-Theater (was sie bei den meisten Privatsendern ohnehin schon sind). Man muss sich wirklich nicht wundern, wenn viele Menschen überhaupt nichts mehr glauben, was ihnen aus offiziellen Quellen vorgesetzt wird, und dass die absurdesten Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben. Ein Nachrichtensprecher, der sich für solchen Unfug hergibt, hat nichts mehr im Fernsehen zu suchen, und einem Fernsehsender, der absichtlich Falschmeldungen verbreitet, gehört die Sendelizenz entzogen. Deshalb bin ich erschüttert, dass der beschriebene Vorfall trotz zahlreicher Beschwerden von Zuschauern praktisch keinerlei medienrechtliche Konsequenzen hatte.
P.S.: Ich nenne hier bewusst weder den Sender, noch die beworbene Serie, denn ich will diesem Dreck nicht noch mehr unverdiente Publicity verschaffen.

Über Nicht-Blinker

"Ein Blinker - was ist das denn? Habe ich zuletzt in der Fahrschule benutzen müssen, aber das ist doch überflüssig und ausserdem so unbequem."
Falls dieser Ausspruch von Dir stammen könnte, dann gehörst Du zu genau den asozialen Arschlöchern, um die es in diesem Kommentar geht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich auf der Autobahn nicht in die Eisen gehen muss, weil irgend so ein Depp meint, er müsste ohne zu blinken knapp vor mir einscheren. Ok, man kann's ja mal vergessen. Ist mir auch schon passiert. Aber wenn man diese Leute eine Weile beobachtet, dann wartet man auch bei weiteren (meistens ziemlich riskanten) Spur- und Richtungswechseln vergebens auf ein Lichtzeichen. Dieses egoistische Verhalten ist sogar eine regelrechte Mode geworden. Kaum jemand hält es noch für nötig, andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig über seine Absichten zu informieren, um so gefährliche Situationen zu vermeiden. "Was geht es die Anderen an, wohin ich fahren will? Die müssen sich doch denken können, was ich vielleicht vorhabe, und sollen mir gefälligst Platz machen. Hauptsache, ich muss keinen Finger rühren, und im Grunde ist mir die Sicherheit meiner Mitmenschen ja auch scheissegal."
Auch ich fahre gerne flott und manchmal lege ich die Verkehrsregeln sehr individuell aus. Aber wenigstens blinke ich, bevor ich rechts überhole, so dass sich jeder auf den gleich folgenden Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung einstellen kann.

Rund ums Internet
Über Abmahn-Abzocke der übelsten Sorte

Im Dezember 2013 hat eine einschlägig bekannte Anwaltskanzlei erneut im grossen Stil Massen-Abmahnungen mit einer saftigen Kostennote versendet. Den Namen dieser Kanzlei möchte ich jedoch nicht nennen, da ich nachfolgend evtl. Aussagen machen werde, die als beleidigend interpretiert werden könnten.
Jedenfalls ging es wie üblich um das leidige Thema "Urheberrecht im Internet". Haben also mal wieder böse Filesharer das geistige Eigentum wehrloser Medien-Konzerne illegal in Tauschbörsen herunter geladen oder dort sogar verbreitet? Nein, diesmal nicht. Jetzt ist bereits das passive Ansehen eines urheberrechtlich umstrittenen Videofilms auf einem Streaming-Portal eine kostenpflichtige Abmahnung wert. Ok, es handelte sich natürlich um Pornofilme und wer sich solchen Schmutz anschaut, der ist ja eh pervers und hat es nicht besser verdient. Aber mal ehrlich: Jeder, der einen Internet-Anschluss besitzt, hat sich sowas schon mal angesehen. Selbst völlig unverfängliche Suchanfragen liefern regelmäßig genug Treffer aus dieser Kategorie und irgendwann landet man fast schon zwangsläufig auch mal auf solchen Seiten. Davon abgesehen bin ich erwachsen und habe mit derartigen Angeboten keinerlei moralische Probleme. Der Inhalt tut eigentlich auch gar nichts zur Sache. Wahrscheinlich soll er lediglich bewirken, dass sich die Abgemahnten nicht wehren, weil ihnen die Angelegenheit evtl. peinlich ist.
Wenn man das konsequent weiter denkt, dann haben diese Anwälte eine regelrechte Geld-Druckmaschine erfunden. Man stelle irgendein mieses, aber urheberrechtlich geschütztes Video z.B. bei YouTube ein oder veröffentliche eine Webseite mit ansonsten unverkäuflichen Fotos, für die man das Copyright besitzt. Dann zeichne man die IP-Adressen sämtlicher Besucher auf, lasse sich von einem weltfremden oder überarbeiteten Richter die Verfügung zur Herausgabe der realen Adressen durch die Internet-Provider ausstellen und schon kann man zehntausende Abmahnungen mit Fantasie-Gebühren von jeweils mehreren hundert Euro verschicken. Das ist zum Einen eigentlich nur als legalisierte Erpressung zu bezeichnen und zum Anderen kommt es einem generellen Internet-Verbot gleich, denn inzwischen gibt es unzählige, auch durchaus seriöse Webseiten, auf denen kleine Flash-Videos eingebettet sind oder sogar ungefragt loslaufen. Und auf Bilder von unbekannter Herkunft trifft man beim Surfen im Internet andauernd.
Gegen die Abmahnungen lassen sich ganz konkret die folgenden Punkte vorbringen:

  • Die Videos wurden von den Besuchern der Streaming-Portale weder hoch noch runter geladen und schon gar nicht illegal angeboten oder verbreitet. Die Video-Datei landet zwar vorübergehend im Cache auf der lokalen Festplatte, aber das ist technisch bedingt und kann niemandem ernsthaft als "Raubkopie" angelastet werden. Sollte das in Juristen-Kreisen anders gesehen werden, dann kann man das Internet in Deutschland getrost komplett abschalten.
  • Den Videos ist ohne sie abzuspielen oder sogar überhaupt nicht anzusehen, wer das Urheberrecht besitzt, und sobald man es sehen kann, hat man auch bereits dagegen verstossen. Bei etablierten Streaming-Portalen mit unzähligen legalen Inhalten kann auch von "offensichtlich rechtswidrigen Quellen" keine Rede sein. Wenn einige Anwälte also unbedingt einen Urheberrechts-Streit vom Zaun brechen wollen, dann sollen sie sich doch bitte mit den Anbietern des Materials anlegen (d.h. mit den Streaming-Portalen) und nicht mit denen, die es sich nur mehr oder weniger zufällig und in gutem Glauben anschauen. Aber dazu sind solche Anwälte offensichtlich zu feige und wohl auch zu geldgierig.
  • Die Abmahner verschweigen hartnäckig, wie sie an die IP-Adressen der Besucher gelangten, und halten damit den eigentlich alles entscheidenden Beweis zurück. Es ist daher zweifelhaft, ob die verwendete Ermittlungs-Software (sofern es eine gibt) überhaupt rechtlich verwertbare Ergebnisse liefern kann und ob diese Methoden mit dem Datenschutz vereinbar sind oder bereits selbst eine Straftat darstellen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass eine Weiterleitung über mehrere dubiose Domains und Proxy-Server eingerichtet wurde, die Besucher anderer Webseiten automatisch und vor allem ungewollt zu den Videos beförderte.
  • Die Herausgabe der Besucher-Daten durch die Internet-Provider war sehr wahrscheinlich nicht rechtmäßig, da in den entsprechenden richterlichen Beschlüssen teilweise von einer Tauschbörsen-Nutzung ausgegangen wurde und das war definitiv nicht der Fall.
  • Der vermeintliche "Schaden" (d.h. der entgangene Gewinn) für die Rechteinhaber ist rein fiktiv und liegt pro Aufruf allenfalls im einstelligen Euro-Bereich. Womöglich wurden die abgemahnten Videos von den Rechteinhabern sogar selbst in die Streaming-Portale eingestellt.

Trotz der völlig ungeklärten Rechtslage soll aber munter weiter abgemahnt werden. Ja, man verlässt sich sogar darauf, dass eine endgültige Klärung wohl noch Jahre auf sich warten lässt, bis alle juristischen Instanzen durchschritten wurden. Selbst wenn dieses Vorgehen irgendwann für rechtswidrig erklärt wird, haben die Abmahner keinerlei Konsequenzen zu fürchten und bereits gezahlte Gebühren dürften verloren bleiben. Der Chef der Räuberbande macht öffentlich auch gar keinen Hehl daraus, dass es dabei nicht ums Urheberrecht, sondern ausschliesslich um ein einträgliches Geschäfts-Modell geht. Und der Gesetzgeber tut das, was er in solchen Fällen immer tut: Nichts.
 
P.S.: Ich selbst habe übrigens keine dieser Abmahnungen erhalten, aber ich rege mich über solche Abzocke trotzdem auf.
(siehe auch: Wer hat (Urheber-)Recht?)

Über Musik-Downloads, die Schattenseiten des Wachstums und die gute, alte Zeit

Kürzlich gab die von mir ansonsten sehr geschätzte Kabarettistin Monika Gruber in einer Satire-Sendung sinngemäß das folgende Statement ab, das ich hier mal aus dem Gedächtnis wiedergeben will:
"Früher war Musik noch ein knappes und deshalb wertvolles Gut. Man sparte wochenlang sein Taschengeld für die neuste Platte seiner Lieblings-Band und wenn man sie endlich in Händen hielt, dann wurde sie wie ein Schatz gehütet und so lange abgespielt, bis man jede Textzeile auswendig mitsingen konnte. Heute muss man nur im Internet auf einen meistens illegalen Link klicken und schon hat man die aktuellen Charts auf der Festplatte, ohne sie sich überhaupt mal richtig anzuhören. Solche Downloads machen Musik beliebig und berauben sie ihres kulturellen Werts. Da mache ich nicht mit!"
[Frau Gruber setzt ihren empörtesten Gesichtsausdruck auf, Publikum klatscht brav]
Liebe Frau Gruber, natürlich kommt man heutzutage über das Internet viel einfacher an Musik, als das noch vor 20 Jahren in der "guten alten Zeit" möglich war (Für die Musikindustrie jedenfalls war diese Zeit ganz sicher gut). Ich will mich jetzt auch gar nicht darüber auslassen, ob das legal oder illegal ist, denn das tue ich bereits ausführlich an anderer Stelle. Mit Musik verhält es sich aber nicht anders, als mit den meisten anderen Dingen auch. Was gestern noch teurer Luxus war, ist heute schon billige Massenware. Um diesen "Wertewandel" hautnah zu erleben, muss man nur mal durch ein Einkaufszentrum schlendern und sich daran erinnern, was dort noch vor einigen Jahren angeboten wurde bzw. gar nicht oder nur sehr teuer angeboten wurde. Und viel zu viele Fernsehprogramme gibt es inzwischen ja auch, während man sich früher mangels Auswahl noch mit Freude jeden Mist angesehen hat. Man kann das heutige Überangebot an allem zwar beklagen, aber das nennt sich schlicht und einfach "Wachstum" und das wollen wir doch alle (oder etwa nicht?). Insbesondere die Musikindustrie treibt dieses Wachstum ja unermüdlich voran, indem sie uns fast monatlich mit irgendwelchen Casting-Shows auf unterstem Niveau beglückt, aus denen regelmäßig musikalische Eintagsfliegen hervorgehen, deren von vornherein eingebaute Halbwertszeit sie kaum noch den nächsten derartigen Wettbewerb erleben lässt und deren Qualität oft nicht mal an den unterirdischen Standard eines Dieter Bohlen heran reicht. Der Mangel an wirklich guter und "wertvoller" Musik dürfte also nicht daran liegen, dass sie für jeden immer und überall verfügbar ist, sondern vielmehr daran, dass sie ganz einfach kaum noch produziert wird.
Naja, liebe Frau Gruber, als in den Medien präsente Künstlerin muss man wahrscheinlich manchmal das nachflöten, was von Management oder Verlagen vorgegeben wird. Immerhin waren Ihre Äusserungen ja nicht ganz so verheerend wie die Ihres Kollegen Dieter Nuhr, der sich in offensichtlicher Unkenntnis der Sachlage (aber seltsamerweise fast zeitgleich) für das ebenso umstrittene wie undemokratische Lobby-Werk ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) stark machte und der sich leider auch sonst immer mehr vom kritischen Philosophen unter den Kabarettisten zum Schön-Redner zweifelhafter Regierungsentscheidungen entwickelt.

Über Google Street View

Street View ist ein heftig umstrittenes Projekt des Suchmaschinen-Giganten Google, das virtuelle Spaziergänge durch unsere Städte ermöglichen soll. Dazu fahren Kamera-Autos von Google jetzt auch in Deutschland sämtliche Strassen ab, um Häuser, Plätze und natürlich auch Menschen aufzunehmen. Die Kameras sind dabei auf einem mehrere Meter hohen Mast montiert, so dass Google mit Leichtigkeit auch einen Blick in die Gärten und Hinterhöfe werfen kann (Warum eigentlich? Google interessiert sich doch angeblich nur für die Strassen und Fassaden, wie sie aus der Fussgänger-Perspektive erscheinen). Gesichter werden zwar automatisch unkenntlich gemacht, aber wer sich selbst oder seine Wohnung trotzdem nicht im Internet sehen will, der muss nachträglich aktiv Einspruch einlegen und um Löschung der Aufnahmen betteln.
Street View mag ja eine ganz nützliche Sache sein (auf jeden Fall für Einbrecher, die damit online ihren nächsten Raubzug planen können), aber wenn ich mich auf eine Leiter stelle, um über den Gartenzaun hinweg meine Nachbarin beim Sonnenbaden zu fotografieren, dann haut mir ihr Mann auf die Fresse - noch bevor ich dazu komme, die Bilder ins Internet zu stellen, und zwar mit Recht! Aber Datenkrake Google darf das. Einfach so, ohne zu fragen. Und auch die halbherzige Verfremdung von Gesichtern oder KFZ-Kennzeichen ist geradezu lächerlich, denn aus dem Zusammenhang heraus werden zumindest Bekannte sofort erkennen, um wen es sich handelt.
Gegen kommerzielle Interessen hat der Schutz der Privatsphäre ja noch nie eine wirkliche Chance gehabt und in ein paar Jahren wird sich wohl kein Mensch mehr über Street View aufregen, weil wir uns auch an diese Form der Bespitzelung gewöhnt haben werden und die daraus gewonnenen Daten ganz selbstverständlich nutzen werden. Aber was kommt danach? Google Bedroom View ? Selbstverständlich mit unkenntlich gemachten Genitalien ...


 
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Wenn Du diesen Text lesen kannst, dann sieht der Rest meiner Homepage bestimmt wie der letzte Müll aus.
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