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13.11.2014: Die Rosetta-Mission und die Landung von Philae auf Komet Tschurjumow-Gerassimenko.

Tschuri, Rosetta und Philae

Meine Meinung
am
13.11.2014
Die Rosetta-Mission und die erfolgreiche Landung der Sonde Philae auf Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko Kometen
Astronomie
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Rosetta und Philae
Die Raumsonde Rosetta setzt das Landemodul Philae ab
(künstlerische Darstellung)

Sie sieht aus wie ein Kühlschrank auf 3 wackeligen Spinnenbeinen, aber trotzdem hat die ESA-Sonde Philae am Abend des 12. November 2014 Wissenschaftsgeschichte geschrieben, als ihr die erste weiche Landung auf einem Kometen gelang. Eigentlich waren es sogar 3 Landungen, denn Philae wiegt in der geringen Schwerkraft nur etwa 1 Gramm und federte offenbar noch zweimal von der Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zurück, bevor sie endlich zur Ruhe kam. Begonnen hatte die Reise von Philae bereits vor über 10 Jahren mit dem Start ihres Mutterschiffs Rosetta am 2. März 2004. Rosetta erreichte 67P/Tschurjumow-Gerassimenko am 6. August 2014 nach einem Flug von ca. 6,5 Milliarden Kilometern, schwenkte in eine Umlaufbahn ein und begann mit ihren Untersuchungen, um u.a. einen geeigneten Landeplatz ausfindig zu machen. Als Philae schliesslich von Rosetta abgekoppelt wurde, dauerte es noch einmal 7 Stunden, bis die Landesonde im freien Fall die noch verbliebenen 22,5 km bis zum Kometen zurückgelegt hatte. Das entspricht gemütlicher Schrittgeschwindigkeit. Sowohl Philae als auch Rosetta sind übrigens nach archäologischen Fundstätten in Ägypten benannt, die im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle bei der Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen gespielt hatten.

Tschurjumow-Gerassimenko
Der Kern des Kometen
67P/Tschurjumow-Gerassimenko

Das Ziel der fragil erscheinenden Sonde wirkt sogar noch bizarrer als Philae selbst. Der Kern des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko mit dem Spitznamen "Tschuri" ähnelt einer asymetrischen Hantel mit zwei unterschiedlich großen Gewichten an den beiden Enden eines dünneren Griffs. Denkt man sich Tschuri auf dem größeren Gewicht stehend, dann erinnert er auch ein Bisschen an eine Quietsche-Ente aus Plastik für die Badewanne, die allerdings einen maximalen Durchmesser von ca. 4 km besitzt. Darüber hinaus zeichnet sich Tschuri durch eine ziemlich herbe Duftnote aus. Die Rosina-Massenspektrometer an Bord von Rosetta haben ein Gemisch aus Ammoniak, Formaldehyd, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff und Cyanwasserstoff (Blausäure) nachgewiesen, das dem Kometen in geringer Konzentration entströmt. Alles zusammen ergibt einen delikaten Geruch nach scharfem Reinigungs- und Desinfektionsmittel, faulen Eiern und giftigem Mandelaroma. Der Gestank hält sich bisher jedoch in Grenzen, denn Tschuri befindet sich noch nicht in der Nähe der Sonne, wo erheblich mehr Material verdampfen und ausgasen würde. Ausserdem hält er sich momentan in einem Sicherheitsabstand von 500 Millionen Kilometern von der Erde auf, so dass uns auch die Signale von Philae bzw. Rosetta erst mit einer Zeitverzögerung von einer halben Stunde erreichen.
67P/Tschurjumow-Gerassimenko war allerdings nicht die erste Wahl für die Rosetta-Mission. Urspünglich sollte 46P/Wirtanen besucht werden, aber nach Schwierigkeiten mit der Ariane-Trägerrakete musste der Start verschoben und ein neuer, noch immer aktiver Komet gesucht werden. Der ansonsten eher unbekannte 67P/Tschurjumow-Gerassimenko erfüllte nicht nur die notwendigen Bedingungen, sondern erlaubte auch eine Flugbahn, die nah an zwei Asteroiden vorbei führte.

Erstes Foto von Philae
Das erste Foto der Sonde Philae nach ihrer Landung auf Tschuri
(links unten ein Bein des Landemoduls)

Im Grunde ging bei der Landung von Philae, die mehr einem ungesteuerten Bombenabwurf glich, so ziemlich alles schief, was nur schief gehen konnte. Zuerst versagte die Schubdüse, die die Sonde in der geringen Schwerkraft an den Kometen pressen sollte. Auch die Harpunen, die Philae sicher auf Tschuri verankern sollten, kamen nicht zum Einsatz. Das Ergebnis war ein unkontrolliertes Gehopse über die Oberfläche von Tschuri, bis Philae irgendwann in einer düsteren Ecke liegen blieb. Und diese Ecke ist tatsächlich so dunkel, dass die Solarzellen kaum eine Chance haben, die Batterie der Sonde innerhalb eines vernünftigen Zeitraums aufzuladen. Im Vergleich mit den beeindruckend präzisen Landemanövern amerikanischer Mars-Sonden, wie z.B. Curiosity, könnte man das Vorgehen der europäischen ESA jedenfalls schon beinahe für dilettantisch halten.
Trotzdem bezeichnet die ESA die Landung von Philae und die gesamte Rosetta-Mission als großartigen Erfolg - und zwar durchaus mit Recht. Philae liegt zwar auf dem Kometen, als wäre sie dort angeschwemmt worden, aber die Sonde ist intakt, befindet sich in einer halbwegs stabilen Position und hat schon in den ersten Stunden eine Menge Daten gesendet. Auch der Mangel an Solarenergie ist nicht wirklich kritisch, denn viele Experimente konnten bereits mit Batteriestrom abgeschlossen werden und der Rest dauert halt ein Bisschen länger. Philae ist ohnehin nur für eine Betriebsdauer von einigen Tagen oder höchstens Wochen ausgelegt und der befürchtete Super-GAU ist ausgeblieben. Viel schlimmer wäre es gewesen, wenn die Sonde kopfüber zum Stillstand gekommen, auf Nimmerwiedersehen ins Weltall abgeprallt oder sogar zerschellt wäre. Aber selbst dann wäre ja immer noch der Orbiter Rosetta übrig geblieben, der schon seit Monaten wertvolle Daten liefert und das auch weiterhin tun wird.

Tschuri über Darmstadt
Tschuri über Darmstadt -
Der eher kleine Komet wirkt im Vergleich mit dem Sitz des European Space Operation Centre (ESOC) gigantisch

Stellt sich - wie immer bei derartigen Raumfahrt-Missionen - noch die Frage "Was haben wir dort zu suchen und warum geben wir dafür so viel Geld aus?". Die einfache Antwort darauf lautet: "Weil wir neugierig sind und etwas über das Universum um uns herum lernen wollen.". Diejenigen, die weder neugierig sind, noch was dazu lernen wollen, brauchen also nicht mehr weiterzulesen, sondern dürfen auf ihren Bäumen hocken bleiben, bis jemand anderes den aufrechten Gang erfindet.
Kometen sind für die Forschung deshalb so interessant, weil sie aus Material bestehen, das noch aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammt und sich seitdem kaum verändert hat. Wenn wir Kometen untersuchen, dann können wir herausfinden, wie und woraus sich die Planeten gebildet haben. Wir erfahren ausserdem, wie das Wasser auf die Erde gelangte und welche organischen Substanzen darin enthalten waren, die die Entstehung von Leben begünstigten oder sogar erst ermöglichten. Das hilft uns abzuschätzen, ob eventuell auch auf anderen Planeten Leben entstanden sein kann. Wir erhalten aber auch wichtige Informationen über eine durchaus reale Bedrohung für das Leben auf der Erde. Unser Heimatplanet ist in der Vergangenheit schon öfters von Kometen getroffen worden und das Ergebnis war meistens eine globale Katastrophe, gefolgt von einem großen Artensterben. Am bekanntesten dürfte das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren sein, dessen Auslöser sehr wahrscheinlich eine solche Kollision war. So etwas wird sich zwar nicht unbedingt schon morgen oder nächste Woche wiederholen, aber irgendwann wird es ganz sicher wieder passieren, wie der Einschlag von Shoemaker-Levy 9 auf Jupiter im Jahr 1994 eindringlich beweist. Und wenn es soweit ist, dann sollten wir rechtzeitig sehr genau wissen, womit wir es zu tun haben und was wir dagegen unternehmen können.

Videos zur Rosetta-Mission
Once upon a time,
there was a spacecraft called Rosetta ...
Preparing for Comet Landing Philae landing:
Lander status and first descent image
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Links zur Rosetta-Mission
Rosetta-Logo Rosetta-Mission (ESA)
European Space Operation Centre (ESOC)
Sonde Rosetta (Wikipedia)
Sonde Philae (Wikipedia)
Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (Wikipedia)

 
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