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09. Juni 2007:
Das Verhängnis nimmt seinen Anfang mit einem durchschnittlichen Sommergewitter.
Danach stelle ich fest, dass meine Internet-Verbindung ständig abbricht,
und versuche die Störungsstelle anzurufen.
Aber auch mein Telefon gibt kein Freizeichen mehr von sich
und die sonst beruhigend grüne Diode des NTBA leuchtet nicht mehr.
Wahrscheinlich hat ein Blitz eine Spannungsspitze ausgelöst,
die durch meine Leitungen und Endgeräte gefegt ist.
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10. Juni 2007:
Mein Internet-Zugang ist auf wundersame Weise wieder halbwegs benutzbar
und so gelingt es mir, eine Störungsmeldung auf der Service-Seite
meines Providers abzusetzen, denn das Telefon ist immer noch tot.
Den Status solcher Meldungen kann man online verfolgen,
so dass man genau mitbekommt, was gerade getan wird
(oder auch nicht getan wird). Sehr praktisch.
Ich erwarte bereits einige Verzögerungen bei der Bearbeitung,
denn ausgerechnet jetzt befinden sich die Angestellten
meines Providers auch noch in einem Streik.
Trotzdem nimmt sich innerhalb weniger Stunden ein "Spezialist" meines Falls an,
der aber nur feststellt, dass mit meinem Anschluss alles in Ordnung ist.
Die Störungsmeldung setzt er in Erfüllung seiner Pflicht schon mal auf "erledigt".
Einziger Kommentar: "Bitte überprüfen Sie Ihre Endgeräte!".
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15. Juni 2007:
Ich tat, wie mir aufgetragen wurde, und habe meine Endgeräte gewissenhaft überprüft.
Sie stehen halt da, wo sie immer stehen, sehen aus, wie sie immer aussehen,
und sind so verkabelt, wie sie schon immer verkabelt waren.
Nachdem ich zusätzlich einige schlaue Ratschläge von Arbeitskollegen eingeholt habe,
entscheide ich mich dafür, das ganze Geraffel einfach komplett auszutauschen.
Also fahre ich zur nächsten Geschäftsstelle meines Providers
und lasse mir einen neuen Splitter, einen NTBA und einen Router einpacken.
Und weil ich schon mal dort bin, ordere ich auch gleich einen günstigeren
Tarif mit schnellerer Internet-Verbindung (DSL 16.000).
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16. Juni 2007:
Am Abend vorher habe ich alles angeschlossen,
aber das Telefon bleibt immer noch stumm und auch der neue NTBA leuchtet nicht.
Immerhin scheint aber der Internet-Zugang wieder einwandfrei zu funktionieren.
Das gibt mir die Gelegenheit, eine weitere Störungsmeldung online zu stellen.
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21. Juni 2007:
Das Unfassbare geschieht:
Mein Provider hat tatsächlich Wort gehalten und mir trotz Streik
das schnellere DSL 16.000 pünktlich zum vereinbarten Termin freigeschaltet.
Leider bricht damit aber auch mein Internet-Zugang endgültig zusammen.
Der Router blinkt seitdem wie wild mit sämtlichen Dioden und die Verbindung hält,
wenn sie überhaupt zu Stande kommt, jeweils nur wenige Sekunden.
In diesen seltenen Augenblicken des Glücks kann ich dann
auf der Status-Seite des Routers durchaus beeindruckende Bit-Raten bewundern.
An Surfen oder Downloads ist mit meinem neuen DSL 16.000 aber nicht zu denken.
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22. Juni 2007:
Von jetzt an muss ich alles von meinem Arbeitsplatz aus erledigen,
der glücklicherweise über ein Telefon und einen PC mit Internet-Anschluss verfügt.
Ok, für einen Programmierer dürfte das selbstverständlich sein,
aber wenn ich z.B. Maurer wäre, dann wäre ich jetzt aufgeschmissen.
Und nein, ein Handy werde ich mir deswegen ganz sicher nicht anschaffen.
Also wird wieder eine Online-Störungsmeldung erstellt.
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25. Juni 2007:
Es hat sich was getan!
In einer der älteren Störungsmeldungen kann ich online nachlesen,
dass sich ein Aussendienstmitarbeiter mit meinem Fall befasst,
und kurz darauf werde ich sogar schriftlich gebeten,
die Störungsstelle anzurufen, weil man zur Klärung meine Hilfe benötige.
Das ist zwar kostenfrei, aber nicht ganz einfach.
Zunächst muss man einer Computerstimme alle möglichen Fragen beantworten,
die einem später noch einmal gestellt werden (falls man jemals durch kommt).
Die Spracherkennung klappt sogar meistens,
vorausgesetzt man schreit die Antworten deutlich genug ins Telefon.
Zwischen den Fragen erhält man ausführliche Informationen zu Webseiten,
die man schon kennt, und zu dem tollen Service meines Providers.
Danach landet man in einer Warteschleife mit Fahrstuhlmusik,
aus der man nach ca. 15 Minuten automatisch rausfliegt.
Es ist aber sicher nicht im Sinne des Erfinders,
dass ich immer kurz vor der Trennung fremde Gespäche mithören kann.
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26. Juni 2007:
Nach zahlreichen Versuchen kann ich die Fragen der Computerstimme auswendig beantworten
und auch die monotone Wartemusik mitpfeifen. Es wird wohl immer noch gestreikt.
Deshalb bin ich richtig erschrocken,
als irgendwann tatsächlich ein menschliches Wesen abhebt.
Die nette Dame am anderen Ende gibt sich ahnungslos aber hilfsbereit:
Man werde mein Anliegen selbstverständlich mit äusserster Dringlichkeit behandeln.
Warum ich eigentlich anrufen sollte, kann sie mir aber nicht beantworten.
Kurz darauf steht auch die zweite Störungsmeldung auf "erledigt",
denn mein Anschluss funktioniert angeblich fehlerfrei.
Nein, tut er nicht! Ich kann weder telefonieren, noch ins Internet!
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28. Juni 2007:
Bleibt noch die dritte Störungsmeldung,
die mich jetzt ebenfalls zur telefonischen Rücksprache auffordert.
Die Prozedur mit Computerstimme und Warteschleife kenne ich jetzt schon
und sie sorgt mittlerweile auch bei meinen Arbeitskollegen für
heiter ausgelassene Stimmung.
Nach zahlreichen Fehlversuchen (der Streik ist doch offiziell vorbei!?)
gerate ich an eine etwas genervte Dame,
die meine bisherigen Störungsmeldungen in ihrem System offenbar nicht findet,
und die nicht begreifen will, warum ich überhaupt anrufe.
Stattdessen erzählt sie mir, wie schwer man es als Hotline-Mitarbeiterin hat
und dass sie ja tut, was sie kann.
Ich erkläre ihr, dass mich das jetzt gerade nicht wirklich interessiert
und dass ich langsam auf die von mir bezahlten Leistungen bestehe.
Trotz leicht gereizter Stimmung gehe ich davon aus,
dass sie irgendwie doch verstanden hat, was ich will:
Ein Techniker soll über meine geschäftliche Mail-Adresse einen Termin
mit mir vereinbaren.
Direkt verbinden kann sie mich nicht, weil das nicht geht,
und überhaupt ist alles so schwierig.
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02. Juli 2007:
Der Techniker war da! Aber ich leider nicht.
Ich finde nur eine vorwurfsvolle Karte im Briefkasten,
dass man mich nicht angetroffen habe
und dass ich zur Abwechslung doch mal bei der Störungsstelle anrufen soll.
Sorry, aber es gibt Leute, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen
und die nicht wochenlang Urlaub nehmen können,
weil vielleicht irgendwann mal unangekündigt ein Techniker vor der Tür stehen könnte.
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03. Juli 2007:
Ich verbringe wieder den halben Tag zwischen Computerstimme und Warteschleife,
bis ein gut gelaunter Mitarbeiter der Störungsstelle abhebt.
Ich bin weniger gut gelaunt.
Schon nach seinem ersten professionell eingeübten Satz
"Wie kann ich Ihnen schnell und kostengünstig helfen?"
würde ich ihn am liebsten durch den Hörer ziehen.
Aber der Mann ist wenigstens hoch motiviert.
Schnell hat er eine vierte, sinnlose Störungsmeldung angelegt,
denn ohne die kommt er mit seinem Programm nicht an die Techniker-Datenbank ran.
Er erklärt mir auch, warum sich bisher kein Techniker bei mir gemeldet hat,
denn die schreiben für Terminabsprachen grundsätzlich keine Mails.
Offenbar stellt mein Provider bevorzugt Analphabeten ein.
Vielleicht ist das moderne Wunder der elektronischen Post auch noch
nicht bis in die technische Abteilung vorgedrungen.
Ist aber egal, denn bis mindestens Anfang August 2007
sind ohnehin alle Techniker ausgebucht.
Der mitfühlende Herr von der Störungsstelle geht trotzdem jeden einzelnen Tag
im Juli 2007 mit mir durch und drückt jedes Mal Oskar-reif sein gespieltes Bedauern aus.
Für alle Fälle hinterlasse ich aber meine geschäftliche Telefonnummer,
in der naiven Hoffnung, dass vielleicht doch mal ein Techniker anruft.
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04. Juli 2007:
Ich überprüfe noch mal online die letzte Störungsmeldung der
schauspielerisch begabten Hotline-Pappnase und finde an Stelle meiner
geschäftlichen Telefonnummer die Nummer meines gestörten Anschlusses
in der Kontaktadresse.
Jetzt muss ich mich zumindest nicht mehr wundern,
warum ich nie von einem Techniker zurück gerufen wurde.
Am Abend schreibe ich die fristlose Kündigung
wegen Nichterfüllung an meinen Provider.
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05. Juli 2007:
Ich bestelle einen Telefon- und Internet-Zugang bei meinem Kabelfernseh-Betreiber.
Für weniger Geld bekomme ich dort die gleiche Leistung und zusätzlich
digitales Fernsehen inklusive Gratis-Receiver.
Vor allem aber ist mein Fernsehanschluss im Gegensatz zur Telefonleitung
nachweislich funktionsfähig. Die Bereitstellung mit kostenloser Montage
soll innerhalb von 14 Tagen erfolgen und wäre damit schneller,
als die früheste von meinem bisherigen Provider zu erwartende Reparatur.
Allerdings funktioniert das Anmeldeformular im Internet nicht richtig,
so dass ich die Sache über die diesmal kostenpflichtige Hotline abwickeln muss,
die bei mir einen etwas chaotischen Eindruck hinterlässt.
Hoffentlich kein schlechtes Omen!
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06. Juli 2007:
Die dritte Störungsmeldung wurde auf "erledigt" gestellt,
ohne dass irgendwas wieder funktionieren würde.
Ich habe aber auch nichts Anderes erwartet
und schaue mir den Status der Meldungen
nur noch hin und wieder zum Zeitvertreib an.
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09. Juli 2007:
Die vierte und letzte Störungsmeldung steht auf "erledigt".
Es funktioniert immer noch nichts und
ein Techniker hat mich bisher auch noch nicht angerufen.
Wird wohl auch nicht mehr passieren.
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12. Juli 2007:
Post von meinem Kabelfernseh-Betreiber! Ich werde gebeten,
einen Termin für die Montage des neuen Anschlusses zu vereinbaren.
Nach einem kurzen Telefonat steht fest,
dass mein Internet-Entzug am 17. Juli 2007 enden soll.
Dafür nehme ich auch gerne einen halben Tag Urlaub.
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17. Juli 2007:
ICH BIN WIEDER ONLINE!!! Der Techniker meines Kabelfernseh-Betreibers
kam fast pünktlich und die Montage hat gerade mal eine Stunde gedauert.
Das DSL 16.000 geht ab wie Schmidt's Katze und ich werde es auch brauchen,
um die ca. 1.500 unerledigten Mails der letzten 4 Wochen runterzuladen.
Auch das Telefon funktioniert wieder einwandfrei.
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