| Meine Meinung am 20.09.2006 |
Warum unser Sonnensystem jetzt nur noch 8 Planeten besitzt und was das mit dem kürzlich entdeckten Zwergplaneten Eris (2003 UB313) zu tun hat. | Eris |
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Wir haben es alle in der Schule gelernt: Das Sonnensystem hat 9 Planeten. Falsch!
Am 24. August 2006 hat die International Astronomical Union (IAU)
entschieden, dass Pluto nicht mehr dem
elitären Kreis der Planeten angehört und deren Anzahl auf 8 verringert.
Diese weise Entscheidung dürfte besonders bei den Autoren von Lehrbüchern,
den Programmierern von Planetariums-Software
und den Webmastern astronomischer Homepages zu Begeisterungs-Stürmen geführt haben,
denn solche Produkte müssen jetzt komplett überarbeitet werden.
Natürlich ist auch meine Homepage betroffen und ich muss zumindest alle Artikel
über das äussere Sonnensystem prüfen. |
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Die IAU hatte allerdings einen guten Grund für diese drastische Maßnahme,
die auf einer Generalversammlung führender Astronomen in Prag beschlossen wurde.
Das Verhängnis nahm seinen Lauf, als das Team um Michael Brown
am 21. Oktober 2003 das Objekt 2003 UB313 entdeckte.
Brown's Truppe hatte schon vorher im fernen
Kuiper-Gürtel die Planeten-Kandidaten
Quaoar und
Sedna aufgespürt.
Beide erwiesen sich jedoch letztlich als zu klein,
um die Ordnung im Sonnensystem zu gefährden.
Bei 2003 UB313 sah das anders aus,
denn dieser Himmelskörper ist offenbar etwas grösser als
Pluto und
hätte deshalb tatsächlich den Rang eines Planeten verdient. |
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Vor einigen Jahrhunderten, als es noch keine Teleskope gab (und keine IAU),
wäre die Sache schnell entschieden gewesen.
Damals war einfach alles ein Planet, was sich vor dem Hintergrund der
Fixsterne bewegte
und nicht gerade einen Schweif hatte. So kam man auf die 5 "klassischen" Planeten
Merkur,
Venus,
Mars,
Jupiter und
Saturn.
Die Erde kam erst als 6. Planet dazu,
als man sie nicht mehr für das Zentrum des Universums hielt. |
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Die Planeten-Definition der IAU vom 24. August 2006:
Ein Himmelskörper ist ein Planet, wenn er
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Die jüngsten Entdeckungen im Kuiper-Gürtel
führten zu der links zusammengefassten, ebenso eindeutigen wie umstrittenen
Definition der IAU. Dass ein Planet um die Sonne
kreisen sollte und nicht um einen anderen Planeten, dürfte klar sein,
sonst wäre er ein Mond.
Auch die Forderung, dass er nicht selbst eine Sonne
sein darf ist akzeptabel, sonst hätten wir einen Doppelstern.
Etwas strenger ist schon die verlangte Kugelform,
die eine bestimmte Grösse und Schwerkraft voraussetzt.
Wäre es dabei geblieben, dann hätten wir jetzt aber trotzdem ein Sonnensystem
mit einem Dutzend oder mehr Planeten, denn viele
Kuiper-Gürtel-Objekte und sogar der
Asteroid Ceres hätten diese Bedingung leicht erfüllt.
Deshalb wurde noch das letzte, etwas kompliziertere Kriterium aufgenommen,
das automatisch alle Himmelskörper im
Kuiper-Gürtel,
in der Oort'schen Wolke
und im Asteroiden-Gürtel ausschliesst.
Selbst wenn dort ein Objekt gefunden würde, das grösser als z.B.
der Mars wäre,
würde es die Planeten-Prüfung nicht bestehen.
Es gibt einfach zu viele andere Himmelskörper auf ähnlichen Umlaufbahnen
und mit vergleichbarer Grösse,
die den Kandidaten seiner Einzigartigkeit berauben würden.
Wer seine Konkurrenten nicht aus dem Weg räumen konnte, ist eben kein richtiger Planet,
sondern darf sich nur "Zwergplanet" nennen.
Auch Michael Brown hat zu dem Thema einen interessanten Gedanken geäussert: Warum streiten sich Astronomen über die Bezeichnung "Planet", während Geologen keinerlei Probleme mit dem viel schwammigeren Begriff "Kontinent" haben? Ganz einfach. Weil Geologen den Begriff "Kontinent" nicht verwenden. Geologen reden von exakt abgegrenzten tektonischen Platten und überlassen die Kontinente der Umgangssprache. Vielleicht sollten die Astronomen ebenfalls eine Fachsprache entwickeln, die die kulturelle Bedeutung des Wortes "Planet" unangetastet lässt. |
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Bevor wir es vergessen:
Bei dem ganzen Theater ging es ja eigentlich um einen schönen Namen für
2003 UB313.
Seit der Entdeckung wurden viele wilde Spekulationen angestellt,
wie der wohl lauten könnte.
Gleich zu Beginn kam es zu einigen Verwirrungen,
da Michael Brown seine Webseite über 2003 UB313
nach seiner kleinen Tochter Lilah "planetlila" genannt hatte.
Wirklich ernst gemeint waren dagegen die Vorschläge "Persephone"
oder "Proserpina" nach der Frau des Gottes der Unterwelt
in der griechischen bzw. römischen Mythologie.
Damit wäre ein eleganter Bezug zu Pluto,
dem römischen Gott der Unterwelt hergestellt worden.
Leider sind diese beiden Namen aber bereits von
Asteroiden belegt und wären von der IAU
nicht angenommen worden. |
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Die Gerüchteküche wurde erst geschlossen, als die IAU-Definition ganz klar festlegte,
dass 2003 UB313 doch kein Planet ist.
Am 13. September 2006 folgte die IAU dann einem Vorschlag von Michael Brown
und vergab den offiziellen Namen "Eris".
Und dieser Name passt wirklich hervorragend:
Eris
ist die griechische Göttin des Streits und der Zwietracht.
Der Legende nach spielte sie den anderen Göttinnen des Olymp einen goldenen Apfel zu,
den die schönste von ihnen behalten sollte.
Sofort herrschte Streit darüber, wer den (Zank-)Apfel verdient hätte,
und die Intrigen und Bestechungsversuche der Anwärterinnen auf diesen Schönheitspreis
lösten letztlich den Trojanischen Krieg aus.
Wer darin eine Anspielung auf die endlosen Streitereien zwischen den Astronomen
über die Planeten-Frage sieht, liegt vollkommen richtig.
Mit kriegerischen Auseinandersetzungen ist aber glücklicherweise vorerst nicht zu rechnen. |
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Einerseits war eine genaue Definition, was ein Planet ist und was nicht, längst überfällig, um die neu entdeckten Himmelskörper im Kuiper-Gürtel wissenschaftlich einordnen zu können. Andererseits ist diese Definition jetzt etwas unglücklich ausgefallen, denn sie macht bestehende Veröffentlichungen ohne zwingende Notwendigkeit falsch und kostet eine Menge Arbeit. Es handelt sich ja nicht um eine neue Erkenntnis, die vorhandenes Wissen veralten lässt, sondern um eine willkürliche Entscheidung, die lediglich einem Fachbegriff eine neue Bedeutung verleiht. Viele Astronomen sehen das ähnlich und haben bereits ihren Widerstand angekündigt, so dass abzuwarten bleibt, wie lange die neue Planeten-Definition Bestand haben wird. Die Planeten selbst jedenfalls dürften das alles eher gelassen hinnehmen und auch weiterhin unbeeindruckt ihren vorbestimmten Umlaufbahnen folgen. |
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