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15.03.2004: Wer hat (Urheber-)Recht? - Über Urheberrecht, Patentrecht und andere Verhinderungsrechte in den Zeiten von Kazaa und EMule.

Wer hat (Urheber-)Recht?

Meine Meinung
am
15.03.2004
Über Urheberrecht, Patentrecht und andere Verhinderungsrechte in den Zeiten von Kazaa und EMule. Rettet das Internet!
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Ich bin leider kein Jurist (oder glücklicherweise?), aber als Webmaster und Verfechter des freien Datenaustauschs muss ich einfach mal zu einigen rechtlichen Dingen Stellung nehmen. Während der letzten Jahre weht im Internet ein immer rauherer Wind. Wer auf seiner Homepage urheberrechtlich geschütztes Material anbietet (MP3s, Filme, Bilder, Zitate, etc.), der muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Auch die weit verbreitete Nutzung von P2P-Tauschbörsen (Kazaa, EDonkey, EMule, etc.) oder das Runterladen von einer Webseite kann nach dem neuen, verschärften Urheberrecht strafbar sein. Dabei ist es völlig egal, ob diese "Vergehen" nur aus Versehen oder Unwissenheit begangen wurden und auch das Fehlen kommerzieller Motive spielt keinerlei Rolle. Der Rechteinhaber kann willkürlich Streitwerte festlegen, wie sie normalerweise nur in einer Auseinandersetzung zwischen Grosskonzernen üblich sind, und den "Sündern" kostenpflichtige Abmahnungen über mehrere Tausend Euro zustellen. Insbesondere die Musikindustrie hat für das Jahr 2004 ein systematisches Vorgehen gegen das Filesharing auch in Deutschland angekündigt und das EU-Parlament hat mit der "EU Intellectual Property Rights Enforcement Directive" ein Gesetz beschlossen, das Vertretern der Unterhaltungsindustrie quasi Polizeivollmachten verleiht und mit Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmung von Rechnern und Sperrung von Konten das nötige Instrumentarium bereit stellt. Es ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit, bis sämtliche Gratisangebote - legal oder illegal - aus dem Internet verschwunden sein werden und auf privaten Homepages gerade mal der eigene Lebenslauf gefahrlos veröffentlicht werden darf.

Warum geht angesichts einer derart düsteren Zukunft eigentlich kein Aufschrei der Entrüstung durch die Internet-Gemeinde? Weil das eigene Schuldbewusstsein dank massiver Propaganda durch die Unterhaltungsindustrie bereits viel zu tief verankert ist. Wir wissen alle, warum das Downloaden von Musik und Filmen eine ganz, ganz, ganz schlimme Sache ist und auch wer nicht zu jedem Bild auf seiner Homepage die Genehmigung des Rechteinhabers vorweisen kann, sollte ein furchtbar schlechtes Gewissen haben. Aber alles hat seine zwei Seiten und zu jedem Argument gibt es ein Gegenargument:

"Copy kills Music" - Wer illegal Songs aus dem Internet runterlädt, der bringt die Künstler um ihren Lohn und verhindert den Aufstieg neuer Bands.

Es steht nirgends geschrieben, dass jeder Künstler seine Rechte an die Musikindustrie abtreten und von winzigsten Anteilen am CD-Verkauf leben muss. Gerade das Internet bietet den Künstlern eine ideale Plattform, um ihre Songs in Eigenregie und ohne die Beteiligung eines Tonträger-Herstellers zu vermarkten. Selbst Gratis-Angebote von MP3s sind noch immer eine hervorragende Werbung für Live-Konzerte und Fan-Artikel. In der Independent-Szene funktioniert das bereits bestens.
In anderen Ländern wird ausserdem ernsthaft über eine geringfügige, pauschale Abgabe beim Kauf von Rechnern und CD-Rohlingen nachgedacht, die direkt an die Künstler in der Rangfolge ihrer Download-Häufigkeit weiter geleitet werden soll. Es geht also auch gut ohne die Musikindustrie und mit dem Internet.
In Deutschland tut die GEMA übrigens bereits heute genau das, indem sie Gebühren auf CD-Brenner und -Rohlinge erhebt. Die runtergeladenen MP3s und kopierten CDs sind also genau genommen schon bezahlt!

Das Internet ist daran Schuld, dass die Umsätze der Musikindustrie dramatisch zurückgehen. Da die Raubkopierer aber nicht an legalen, kostenpflichtigen Downloads interessiert sind, hilft nur der Rechtsweg.

Die Musikindustrie hat wie fast jeder andere Wirtschaftszweig auch in erster Linie unter der momentan schwächelnden Konjunktur zu leiden, aber natürlich trägt auch das Filesharing im Internet zu den Umsatzrückgängen bei. Anstatt jedoch den Markt durch attraktive, weil günstige Musikangebote im Internet anzukurbeln, rechnet man noch immer mit den inzwischen völlig unrealistischen Gewinnerwartungen der 1980er- und 1990er-Jahre. In praktisch jedem legalen Musikportal sind aktuelle Songs erst ab weit über 1,- Euro pro Download zu haben, so dass eine auf diese Weise zusammen gestellte CD schnell teurer wird, als wenn man sie fix und fertig im Musikgeschäft gekauft hätte. Es drängt sich sogar der Verdacht auf, dass die Unterhaltungsindustrie gar kein Interesse daran hat, diesen Zustand zu ändern, um den noch immer einträglichen Handel mit Musik-CDs nicht zu gefährden. Obwohl derartige Angebote entsprechend wenig erfolgreich sind, besteht doch bei vielen Tauschbörsen-Nutzern eine prinzipielle Bereitschaft, für herunter geladene Lieder einen fairen Preis zu bezahlen.
Es gibt übrigens auch Studien, die das exakte Gegenteil beweisen: Das Filesharing ist demnach keineswegs für Umsatzrückgänge verantwortlich, sondern fördert sogar den Verkauf von ohnehin schon populären CDs. Möglicherweise sind die angeblichen Probleme der Musikindustrie auch einfach nur auf die musikalisch minderwertigen Absonderungen von Casting-Retorten-Bands zurück zu führen.

In den letzten 10 Jahren sind die Preise für CDs nicht gestiegen, sondern inflationsbereinigt sogar gesunken. Das lässt sich mit offiziellen Statistiken zweifelsfrei belegen. Die Musikindustrie betreibt also entgegen allen Vorurteilen eine zurückhaltende und kundenfreundliche Preispolitik.

Die CD-Preise sind tatsächlich langsamer angestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Da Tonträgerhersteller aber kommerzielle Unternehmen und keine Wohltäter der Menschheit sind, gibt es dafür nur einen einzigen, einfachen Grund: CDs waren von Anfang an völlig überteuert und die Gewinnspanne entsprechend riesig. Wäre das nicht der Fall, dann hätte man die Preisschraube aus reinem Selbsterhaltungstrieb schon lange kräftig angezogen. Hinzu kommt, dass technische Verbesserungen bei der Produktion die Verteuerungen in anderen Bereichen ausgleichen konnten. Während aber z.B. Computer-Hardware durch neue Produktionsverfahren immer billiger wird, halten sich die CD-Preise auf ihrem hohen Niveau.
Auf jeden Fall aber sind Musik-CDs gerade für die jugendliche Zielgruppe, die in der Regel über kein eigenes Einkommen verfügt, ganz erheblich zu teuer. Auch ein Verbot von Downloads kann das für CDs verfügbare Taschengeld nicht vermehren und wird so zur reinen Schikane. Oder sollen unsere Kinder klauen gehen, damit sie sich mehr CDs leisten und die Musikindustrie sanieren können?

In einer Marktwirtschaft muss für jede Ware bezahlt werden. Auf diese Weise werden Arbeitsplätze geschaffen und Steuergelder eingenommen. Das kann nicht funktionieren, wenn alles irgendwo zum Selbstkostenpreis oder ganz umsonst zu erhalten ist.

In einer Marktwirtschaft regelt sich der Preis über Angebot und Nachfrage. Daher sind Monopole, die zur künstlichen Verteuerung einer Ware führen, unerwünscht. Die Unterhaltungsindustrie verfügt mit Hilfe des Urheberrechts über ein solches Monopol und ihre einzige Leistung besteht darin, Audio- und Video-Datenträger herzustellen, deren Fertigung nur einen Bruchteil des Verkaufspreises kostet. Das Internet ist aus marktwirtschaftlicher Sicht ein legitimer Konkurrent, der neue Vermarktungswege eröffnet und alte Strukturen überflüssig macht. Während die Unterhaltungsindustrie die Zeichen der Zeit verschlafen hat, befinden sich Internet-Provider und Content-Anbieter, sowie Hersteller von CD-Brennern, CD-Rohlingen und MP3-Playern im Aufwind. Auch das sind Arbeitgeber und Steuerzahler!

Zur Produktion von Musik gehört mehr, als nur die Herstellung von CDs. Es entstehen ja auch Kosten für Verwaltung, Vertrieb, Lizenzen, Werbung und vieles andere. Ausserdem müssen "Flops" ausgeglichen werden, da kaum ein Album seine Produktionskosten auch wieder einspielt.

Diese Kosten würden bei einer freien Vermarktung über das Internet erst gar nicht anfallen. Eine schlecht besuchte Webseite ist zwar ärgerlich, aber tausende unverkaufte CDs im Lager sind richtig teuer.

Nach dem neuen Urheberrecht ist der Download aus einer offensichtlich illegalen Quelle verboten. P2P-Tauschbörsen, wie Kazaa oder EMule, sind daher illegal und jeder weis das.

In Tauschbörsen wird tatsächlich eine Menge illegales Material angeboten, aber die Musikindustrie selbst und auch viele Independent-Bands spielen zu Werbezwecken nicht wenige MP3s ein, die dann natürlich legal sind. Ausserdem gibt es dort Free- und Shareware-Programme, Spiele-Demos, Open-Source, private Bilder und Videos, und, und, und ...
P2P-Tauschbörsen sind weit davon entfernt, aussschliesslich illegale Quellen zu sein, und für den Benutzer ist es alles andere als offensichtlich, ob sein aktueller Download nun erlaubt oder verboten ist. Die schwammige Formulierung von der "offensichtlich illegalen Quelle" im neuen, verschärften Urheberrecht schafft eine beispiellose Rechtsunsicherheit und macht Hunderttausende von ansonsten unbescholtenen Tauschbörsen-Nutzern zu potentiellen Verbrechern.
Die Unterhaltungsindustrie verwendet in Ihren Kampagnen sehr gerne den Begriff "illegale Tauschbörsen". Das soll gezielt den Eindruck erwecken, Filesharing sei prinzipiell verboten. Davon kann jedoch überhaupt keine Rede sein: Wie gesagt existieren zwar illegale Inhalte, aber die Nutzung von Tauschbörsen an sich ist völlig legal. Die Übertragung von Daten im Internet ist (noch) nicht verboten!

Wenn eine CD oder DVD mit einem Kopierschutz ausgestattet ist, dann ist das Kopieren und natürlich auch das Bereitstellen im Internet eindeutig verboten. Wer dieses Verbot mit technischen Tricks umgeht oder Anleitungen dazu verbreitet, muss bestraft werden.

Selbstverständlich haben die Hersteller von CDs und DVDs das Recht, ihre Produkte mit jeder Art von Kopierschutz zu versehen, die sie für notwendig halten. Ebenso haben Verbraucher ein Recht auf einwandfrei funktionierende CDs und DVDs und können bei den häufig auftretenden Problemen mit dem Kopierschutz ihr Geld zurück verlangen. Ausserdem besteht eine Kennzeichnungspflicht, so dass man kopiergeschützte CDs von vornherein meiden kann. Da sich die Verbraucher also nicht mehr so einfach für dumm verkaufen lassen, dürfte auch der Kopierschutz dazu beitragen, dass so manche CD im Regal liegen bleibt.
Aber welchen Zweck hat ein Kopierschutz? Er soll das Kopieren verhindern (wer hätte das gedacht?). Wenn er das nicht tut, dann soll man doch den Entwickler verklagen, aber nicht den, der auf die Unzulänglichkeiten aufmerksam macht. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Krimi-Autor anzuzeigen, weil er die Planung und Durchführung von Kapitalverbrechen (Raub, Mord, etc.) detailliert beschreibt. 
Besonders kurios ist an dieser Stelle, dass viele Vorträge von Sachverständigen, die vor der EU-Urheberrechts-Kommission gehalten wurden, inzwischen den folgenden Straftatbestand erfüllen: "Unerlaubte Verbreitung von Anleitungen zum Umgehen von Kopierschutz-Maßnahmen".
Aber auch die Anbieter von CDs mit "Abspielschutz" machen sich eigentlich strafbar. Solche Silberlinge entsprechen nämlich nicht dem Red-Book-Standard und dürfen streng genommen überhaupt nicht unter dem Namen "CD" verkauft werden. Wo bleibt hier die Klage?

Es existiert kein Recht auf Privatkopie! Vielmehr handelt es sich um eine Gesetzeslücke, die dringend geschlossen werden muss. Ein Gewohnheitsrecht ist juristisch ohne jede Bedeutung.

Diese Lücke wurde vom Gesetzgeber lange Zeit bewusst offen gehalten, um den Verbrauchern eine ungehinderte Nutzung und Sicherung von legal erworbenen Multimedia-Produkten zu ermöglichen. Die Bemühungen der Unterhaltungsindustrie gehen jedoch dahin, den Inhalt fest an einen bestimmten, idealerweise nur begrenzt haltbaren Datenträger zu koppeln, der dann natürlich immer wieder neu gekauft werden muss. Wer seine Lieblings-Songs auch unterwegs im Auto oder auf dem MP3-Player hören will, der soll dafür noch einmal extra bezahlen. Damit wird das Eigentumsrecht an einer gekauften CD oder DVD massiv eingeschränkt. Dem Käufer gehört nur noch der teure, aber letztlich wertlose Datenträger, während alle Rechte auf den Inhalt beim Hersteller verbleiben.

Das unerlaubte Beschaffen, Vervielfältigen oder Veröffentlichen von fremdem geistigem Eigentum ist Diebstahl! Da ist die Rechtslage völlig klar und moralisch ist es sowieso verwerflich.

Kann man geistiges Eigentum besitzen und damit handeln? Geht es durch "Diebstahl" verloren oder hat der "Eigentümer" nach einem Verkauf weniger davon? Gibt es überhaupt eine fest definierte Grenze zwischen geistigem Eigentum und geistigem Allgemeingut? Viele Konzerne sind offenbar dieser Meinung und versuchen, immer mehr geistiges Allgemeingut in kommerziellen Besitz umzuwandeln (d.h. von der Allgemeinheit zu stehlen!). Die Konquistadoren der Wirtschaft haben die neue Welt "Internet" entdeckt und sind gerade dabei, die Beute aufzuteilen - ohne Rücksicht auf die Ureinwohner. Das geht so weit, dass man sich sogar einzelne Buchstaben und Farbtöne in Firmenlogos markenrechtlich schützen lässt und jeden verklagt, der etwas entfernt ähnliches auf seiner Homepage anzeigt. Auch Zitate, der klassische Inbegriff von Allgemeinwissen, unterliegen mittlerweile dem verschärften Urheberrecht und dürfen nicht mehr frei veröffentlicht werden.
An alle Prominenten und die, die sich dafür halten: Wenn Ihr nicht wollt, dass Ihr zitiert werdet, dann haltet doch in der Öffentlichkeit einfach den Mund und verschont uns bitte mit Euren Autobiographien!

Urheberrechtliche Vergehen sind keine Kavaliersdelikte, sondern klare Verstösse gegen geltende Gesetze mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen. Die Ausreden "Das tun doch alle" oder "Das schadet doch niemandem" sind keine Entschuldigungen und ändern nichts an der Tatsache, dass es sich um Verbrechen handelt.

Rein formal ist das Kopieren, Tauschen oder Veröffentlichen von urheberrechtlich geschütztem Material illegal. Nach dem geltenden Gesetz sind auch viele Abmahnungen und Klagen in solchen Fällen rechtmäßig oder wenigstens zulässig. Unsere Gesetze sind aber nicht gottgegeben und für alle Ewigkeit unantastbar, sondern wir selbst haben sie gemacht, um unser gesellschaftliches Leben zu regeln. Wenn bestimmte Gesetze nicht mehr zeitgemäß sind und dem Rechtsempfinden der Mehrheit widersprechen, dann ist es überfällig, sie zu ändern oder ganz über Bord zu werfen. Genau das ist ja tatsächlich passiert, als die Lobbyisten der Unterhaltungsindustrie eine Verschärfung des Urheberrechts durchsetzten, aber es war leider die falsche Richtung. Wer jedoch mit der Pflicht zur sturen Einhaltung unveränderlicher Gesetze argumentiert, der muss auch berücksichtigen, dass vieles was heute verboten ist, noch vor wenigen Jahren völlig legal war. Gesetze, die zur Kriminalisierung weiter Kreise der Bevölkerung führen, sind dringend reform-bedürftig.

In einer modernen Infomationsgesellschaft ist Information in Form von Musik, Filmen, etc. eine Ware wie jede andere, für die natürlich auch bezahlt werden muss. Viele denken, im Internet müsste alles gratis sein, aber darauf besteht keinerlei Anrecht.

In einer modernen Informationsgesellschaft ist es ein Armutszeugnis, wenn Informationen und kulturelle Errungenschaften zur rein privaten Nutzung nicht frei verfügbar, sondern nur für zahlende Kunden zugänglich sind. So werden all jene ausgegrenzt, die sich die Beschaffung von Musik, Filmen, Software oder Literatur nicht leisten können. Auch öffentliche Institutionen, wie Bibliotheken, Schulen oder Forschungsanstalten, werden damit vor ein ernsthaftes finanzielles Problem gestellt. Die technischen Möglichkeiten, um Daten einfach und billig zu verbreiten, sind jetzt endlich vorhanden, so dass Information eigentlich kein teures und knappes Gut mehr sein müsste. Diese Möglichkeiten werden jedoch absichtlich beschnitten. Hätte man im letzten Jahrhundert die Fliessband-Produktion von Autos verbieten sollen, damit die handgefertigten Exemplare nur für einen kleinen, erlesenen Kreis erschwinglich bleiben?
Die Betonung liegt hier allerdings auf "private Nutzung": Wer mit den geistigen Leistungen anderer selbst Geld verdienen will, der soll die Urheber natürlich auch gerecht beteiligen. Und selbstverständlich sollte es Ehrensache sein, fremde Werke nicht als die eigenen auszugeben. Auch ich finde es nicht gerade toll, wenn ich komplette Seiten meiner Homepage ohne jede Quellangabe in fremden Domains entdecke.

Musik, Filme, Bilder und Wissen in jeder Form sind wertvolle Kulturgüter, die einen angemessenen Preis rechtfertigen. Wer das Prinzip des geistigen Eigentums in Frage stellt, der bedroht unsere gesamte Kultur und ihre Schöpfungen.

Nur das, was jedem zur freien Verfügung steht, kann auch als Teil unserer Kultur bezeichnet werden. Alles andere ist reiner Kommerz und hat mit Kultur nicht das Geringste zu tun. Jedes Werk, das der Allgemeinheit durch Urheber-, Marken- oder Patentrecht entzogen wird, bedeutet eine weitere Verarmung der Kultur. Aber Kultur ist natürlich nicht völlig umsonst zu haben, denn die Kulturschaffenden wollen ja auch von etwas leben. Deshalb muss in einem vernünftigen Rahmen für faire Vergütungen gesorgt werden (z.B. durch Pauschal-Abgaben, Kultur-Flatrate, etc.). Wenn Kultur jedoch nur bedeutet, dass einige Rechteinhaber ein schönes Leben führen können, dann habe ich dafür keinen Bedarf.

Urheberrecht und Patentrecht sichern Künstlern und Erfindern die Früchte ihrer Arbeit und schaffen so einen Anreiz für innovative und kreative Betätigungen.

Innovation entsteht in der Regel durch die Verbesserung, Weiterentwicklung oder Kombination bereits vorhandener Errungenschaften. Wer eigene Schöpfungen oder Erkenntnisse der Gemeinschaft aus Profitgründen dauerhaft vorenthält, der handelt zutiefst asozial und behindert die kreative Tätigkeit anderer. Der urheber-, marken- oder patentrechtliche Schutz sollte automatisch nach wenigen Jahren erlöschen, um eine freie Verwendung zum Wohle aller zu ermöglichen. Wer es in dieser Zeit nicht schafft, seinen verdienten Gewinn einzufahren oder einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz auszubauen, der blockiert nur den wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritt (das ist ja manchmal auch die Absicht).
Es gibt keinen zwingenden Grund, warum Künstler oder Erfinder und zusätzlich noch deren völlig unbeteiligte Erben bis in alle Ewigkeit ausgesorgt haben müssen. Wenn man sich auf den Lorbeeren einer einzigen guten Idee für immer ausruhen kann, dann verkehrt sich der Sinn von Urheber- und Patentrecht in sein Gegenteil: Wo soll dann noch ein Anreiz zum Weitermachen herkommen?
In der Realität kommen Urheber- und Patentrecht allerdings nur selten den wirklich Kreativen zugute. Vielmehr blüht ein reger Handel mit diesen Rechten, der den Löwenanteil am Preis derartig geschützter Produkte ausmacht, während die kreativ Schaffenden meist ihre Rechte abtreten mussten und in die Röhre schauen.

Die Unterhaltungsindustrie ist doch rein formal im Recht und darf sich wehren, wenn sie ihre wirtschaftliche Grundlage bedroht sieht. Die exzessive Nutzung von P2P-Tauschbörsen hat die überzogenen Reaktionen ja erst provoziert.

Die passive Nutzung von Tauschbörsen war bis vor kurzem noch völlig legal und ob die daraus resultierenden Möglichkeiten nun besonders ausgiebig oder eher zurückhaltend ausgeschöpft wurden, das spielt nicht die geringste Rolle. Die Unterhaltungsindustrie ist durch ihr kundenfeindliches Auftreten ja auch nicht ganz unschuldig an der Entwicklung. Es spielt aber sehr wohl eine Rolle, wenn für den Erhalt einer Industrie von volkswirtschaftlich untergeordneter Bedeutung verfassungsmäßig garantierte Grundrechte und der Schutz des Verbrauchers ausser Kraft gesetzt werden. Die Rechte auf Privatsphäre, freie Information, freie Veröffentlichung und freie geistige Entfaltung dürfen nicht zu Gunsten der wirtschaftlichen Interessen einiger weniger geopfert werden.

Jetzt mag jeder selbst entscheiden, wer die wirklichen Verbrecher sind: Hunderttausende jugendlicher Tauschbörsen-Nutzer und kleiner Homepage-Bastler, die geringfügige Urheberrechts-Verletzungen begehen, oder ein paar Konzern-Lobbyisten, die mit politischer Hilfe das Recht verbiegen, um ihre Gewinne zu maximieren. Meine Meinung dazu dürfte klar sein.
Ich bin weder ein Krimineller noch ein Kommunist und selbstverständlich will ich hier nicht zum Bruch geltenden Rechts aufrufen, aber was sich momentan abspielt, das darf man einfach nicht widerstandslos geschehen lassen. Deshalb: RETTET DAS INTERNET!

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