Dr. Freund's Multiversum
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10.10.2003: Rettet das Internet - Die Aktion für ein freies Internet.

Rettet das Internet!

Meine Meinung
am
10.10.2003
Wer sich im Internet bewegt, lebt gefährlich, denn Surfer, Tauschbörsen-Nutzer und Webmaster werden systematisch kriminalisiert. Aber eine neue Aktion im Web macht sich stark gegen Abmahnungsmissbrauch, Einschränkung von Grundrechten, Überwachung und Zensur. Urheberrecht
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23.07.2014: Nachruf
18.08.2014: Auferstehung?
10.10.2003: Vorstellung der Aktion

Rettet das Internet - das ist das Motto einer interessanten, neuen Aktion, die auf www.rettet-das-internet.de gegen zahlreiche Mißstände im Netz antritt und an der ich selbst als Mit-Initiator beteiligt bin. Klingt ganz nett, aber wovor sollte man das Internet denn eigentlich retten?

  • Vor Anwälten, die das juristische Mittel der Abmahnung als lukrative Einnahmequelle missbrauchen und die mit unrealistischen Streitwerten wahllos heraus gepickte Webmaster wegen Bagatellen an den Rand des finanziellen Ruins bringen.
  • Vor Konzernen, die das Internet ausschliesslich als lästige Konkurrenz zu ihren veralteten Vertriebskanälen betrachten und die in groß angelegten Klage- und Abmahnwellen gegen wehrlose Privatpersonen vorgehen, da sie ihre unverschämten Profite bedroht sehen (Jawohl, ich meine die Musikindustrie).
  • Vor Politikern, die diesen Konzernen jeden Wunsch von den Augen ablesen und die eine einseitige Rechtslage schaffen, durch die Millionen von Internet-Nutzern kriminalisiert werden.
  • Vor Gesetzen, die die Realität im Internet beharrlich ignorieren und die keinerlei Rechtssicherheit schaffen, sondern fern von jeder Praxis Webmaster und Surfer gleichermaßen zum leichten Ziel willkürlicher Schadensersatz- und Unterlassungsforderungen machen.
  • Vor Monopolisten, die immer mehr geistiges Allgemeingut, wie z.B. Progammiertechniken, Zitate, Symbole oder sogar einzelne Farbtöne, einer freien, kreativen Nutzung entziehen, indem sie es in patent- oder markenrechtlich geschütztes Privateigentum verwandeln.
  • Vor Herstellern von Hard- und Software, die unter dem Deckmantel höherer Sicherheit umstrittene Produkte zum gesetzlich vorgeschriebenen Standard erheben wollen, mit denen das Verhalten jedes einzelnen Benutzers ausspioniert, aufgezeichnet und kontrolliert werden kann (siehe TCPA).
  • Vor Providern und Suchdiensten, die durch das heimliche Filtern nach oberflächlichen Schlüsselwörtern angeblich gefährliche Inhalte im Netz für die Bevölkerung ganzer Länder unzugänglich machen.
  • Vor selbst ernannten Internet-Sheriffs und Saubermännern, denen jede Form von freier Meinungsäusserung, freiem Informationsaustausch und freier Entfaltung im Web ein Dorn im Auge ist.

Haben sich auf www.rettet-das-internet.de also ein paar anarchistische Hacker zusammen geschlossen, die wieder mal den Aufstand gegen die Autoritäten proben? Nein, denn auch die Grenzen eines freien Internets sind uns durchaus bewusst. Deshalb wollen wir

  • keinen völlig rechtsfreien Raum „Internet“, in dem 0190-Abzocker, Spammer und sonstige Betrüger unvorsichtige Surfer nach Herzenslust ausnehmen können.
  • keinen Freibrief für Rechtsradikale, Kinderschänder und ähnliche Verbrecher, mit dem sie ihren Datenmüll ungestraft verbreiten dürfen.
  • keine Abschaffung von geistigem Eigentum, sondern ein generelles Umdenken und eine weniger profit-orientierte Sicht bei dessen rein privater, nicht kommerzieller Nutzung.
  • keinen Aufruf zum allgemeinen Rechtsbruch, sondern eine konstruktive Beteiligung aller Betroffenen an der Schaffung besserer, fairer Gesetze für das Internet und seine Nutzer.

Wer sich als Surfer, Tauschbörsennutzer (P2P) oder Webmaster im Internet bewegt, der wandelt - meistens unbewusst - auf sehr dünnem Eis. Unwissenheit schützt aber bekanntlich nicht vor Strafe und auch eine „Mich wird’s schon nicht erwischen“-Mentalität ist wenig hilfreich. Abmahnungsmissbrauch, Linkhaftung, verschärftes Urheberrecht, Zensur und Überwachung sind nur einige Stichworte, warum das Internet, so wie wir es kennen, bald der Vergangenheit angehören könnte:

  • Die meisten kleinen Homepages - und damit die Vielfalt - werden verschwinden, da kein privater Anbieter mehr das Risiko eines teuren Rechtsstreits auf sich nehmen will.
  • Wer sich nicht fügt und einen falschen Link setzt, eine unbequeme Meinung vertritt oder irgendeinen Formfehler begeht, der wird so lange verklagt, bis er aufgibt.
  • Freeware, Opensource-Projekte, Filesharing-Netzwerke (P2P) und ähnliche Gratisangebote können auf zukünftigen Rechnern mit "sicheren" Betriebssystemen nicht mehr genutzt werden (siehe TCPA) oder werden kurzerhand für illegal erklärt.
  • Die übrig gebliebenen kommerziellen Betreiber werden das Netz in einen riesigen Supermarkt verwandeln, in dem zwischen Werbung und virtuellen Warenkörben nur noch seichte Unterhaltung erhältlich ist (natürlich nur gegen Bezahlung).
  • Privatsphäre wird zum Fremdwort, da jeder Schritt im Web und sogar jede neue Datei auf der eigenen Festplatte online an zentrale Stellen gemeldet und aufgezeichnet wird. Bei Lizenz-Verstössen kann der heimische PC dann automatisch Selbstanzeige erstatten (siehe TCPA).
  • Das Internet wird trotz modernster Technik und noch schnellerer Verbindungen für den Alltagsgebrauch zunehmend unattraktiver und verliert seine Bedeutung als universelles Informations- und Kommunikationsmedium.

Gegen eine solche Entwicklung wollen wir informieren, provozieren und natürlich auch mobilisieren. Deshalb beschreiben wir klar die Risiken, die schon heute auf jeden Internet-Nutzer lauern, stellen abschreckende Beispiele aus der Realität vor, zeigen aber auch denkbare Wege aus der Krise und bieten die Möglichkeit, sich aktiv einer wachsenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten anzuschliessen. Je mehr Leute sich zu unserer Sache bekennen, desto mehr können wir auf demokratische Weise bewegen. Besucht www.rettet-das-internet.de, tragt Euch in unsere Liste ein, setzt unsere Banner auf Eure Homepage oder erzählt Euren Freunden von unserer Aktion, dann ist der erste Schritt gemacht.

23.07.2014: Nachruf
Nachruf

Nach immerhin fast 11 Jahren ist "Rettet das Internet" jetzt in aller Stille von uns gegangen. Die Domain www.rettet-das-internet.de liefert schon seit einigen Wochen nur noch ein knappes "403 Forbidden" (oder auch mal "Service Temporarily Unavailable") und der Webmaster ist nicht mehr zu erreichen. Deshalb kann auch ich nur spekulieren, ob es technische, finanzielle oder rechtliche Probleme gab, oder ob mangels Motivation einfach der Stecker gezogen wurde. Natürlich könnte man auch eine Verschwörung der Abmahn- und Urheberrechts-Lobby vermuten, aber das halte ich dann doch für etwas weit hergeholt, denn "Rettet das Internet" war für diese Leute schon lange keine ernsthafte Bedrohung mehr. Der Ausfall der Webseite scheint jedenfalls endgültig zu sein, und das bedeutet leider auch das Aus für die gesamte Aktion.

Nun kann man berechtigterweise fragen "Hat das Ganze denn wenigstens was gebracht?". Darauf muss ich mit einem klaren "Jein" antworten. Als "Rettet das Internet" startete, da gab es in Deutschland noch nichts Vergleichbares. Trotzdem oder gerade deswegen war das Echo, gerechnet in Besuchern, E-Mails und Listeneinträgen, zumindest in den ersten Jahren überwältigend. Das bestärkte uns in der Annahme, dass wir offenbar einen Nerv getroffen hatten und auf dem richtigen Weg waren. Wir haben engagierte Artikel veröffentlicht und offene Briefe verschickt, die sicher zur breiten Meinungsbildung beigetragen und vielleicht sogar die eine oder andere politische Entscheidung beeinflusst haben. Wir haben so manche Abzock-Masche ans Licht gebracht und den Abgemahnten geholfen, so gut es uns eben möglich war, ohne dass es uns als unzulässige Rechtsberatung ausgelegt werden konnte. Und wir haben ein großes Netzwerk von Gleichgesinnten aufgebaut. Letztlich haben wir aber nie den "Selbstläufer" auf den Weg bringen können, der uns eigentlich vorschwebte, und die Zahl der tatsächlich aktiven Unterstützer blieb stets überschaubar. Deshalb hatten wir auch nie den finanziellen Rückhalt, der nötig ist um z.B. juristisch gegen Mißstände vorzugehen oder um große Demos zu organisieren. Als reine Hobby-Internet-Retter fehlte uns auch immer mehr die Zeit, um dauerhaft am Ball zu bleiben und konstant Druck zu machen oder um auch nur angemessen auf aktuelle Ereignisse zu reagieren. Und manchmal war es auch ein Bisschen frustrierend, dass sich viele nur so lange für "Rettet das Internet" interessierten, wie sie selbst von z.B. einer Abmahnung betroffen waren. Von den zahlreichen Spinnern, die so eine Aktion anzieht, weil sie eine öffentliche Bühne für ihre wirren Ansichten suchen, will ich gar nicht reden.

So wurde "Rettet das Internet" in den letzten Jahren zunehmend von neuen, professionellen Aktionen und Kampagnen überflügelt, die uns thematisch und ideologisch nahe stehen und die wir möglicherweise sogar ein Bisschen inspiriert haben. Mit viel mehr Manpower und ausreichender Finanzierung wird dort jetzt das verwirklicht, was wir uns schon im Jahr 2003 vorgenommen hatten, während "Rettet das Internet" langsam eingeschlafen ist. Seit der Gründung von "Rettet das Internet" wurde zwar schon einiges erreicht, aber noch immer wird Deutschland regelmäßig von dreisten Abmahnwellen überzogen und Themen wie "Überwachung" und "Zensur" sind aktuell wie nie. Deshalb wollen wir nicht lange um "Rettet das Internet" trauern, sondern den Blick nach vorne richten. Es gibt noch viel zu tun und auch genug würdige Erben ...

18.08.2014: Auferstehung?

Kaum hatte ich "Rettet das Internet" endgültig abgeschrieben, schon war es wieder da. Jedenfalls sind unter der Adresse www.rettet-das-internet.de seit einigen Tagen wieder die gewohnten Seiten zu finden. Ob und wie lange das diesmal so bleibt, kann ich aber leider nicht sagen, denn noch immer hüllt sich der Webmaster von "Rettet das Internet" in Schweigen. Der mehrwöchige Ausfall der Domain und der abgerissene Kontakt zum Webmaster dürften jedoch symptomatisch dafür sein, dass mit "Rettet das Internet" irgendwas faul ist. Deshalb habe ich beschlossen, mein Engagement für "Rettet das Internet" nicht wieder aufzunehmen (wie könnte ich das auch, ohne Ansprechpartner?) und zukünftig nur noch professionelle und vor allem verlässliche Kampagnen zu unterstützen.


 
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