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06.01.2003: TCPA? Nein Danke! - Über Microsofts Kriegserklärung an Privatsphäre und freien Datenaustausch
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TCPA? Nein Danke!

Meine Meinung
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06.01.2003
Über Microsoft's Kriegserklärung an Privatsphäre und freien Datenaustausch Musikindustrie
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Hinweise: Dieser Artikel ist nicht als neutrale Info-Seite zu verstehen, sondern spiegelt meinen persönlichen Kenntnisstand und meine subjektive Meinung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Mittlerweile sind nicht mehr alle Aussagen zutreffend, da Microsoft zumindest vorerst auf die Realisierung der meisten Pläne verzichten will. Aber die von mir beschriebenen, teilweise spekulativen Szenarien könnten prinzipiell noch immer eintreten. Siehe auch: Nachtrag TCPA am Ende?
TCPA, was ist das nun wieder? Eigentlich eine ganz tolle Sache: Die Abkürzung steht für Trusted Computing Platform Alliance und beschreibt ein Bündnis von Soft- und Hardware-Herstellern, das uns mehr Sicherheit im Umgang mit PC und Internet bescheren will. Nie wieder Viren, die ganze Firmen tagelang lahmlegen, nie wieder Hacker, die private Dateien auf fremden Festplatten ausspionieren, und vor allem nie wieder unsichere (d.h. geklaute) Software. Aber das Beste: schon in wenigen Jahren ist es soweit. Das Funktions-Prinzip ist, zumindest aus heutiger Sicht, absolut wasserdicht und ruht im Wesentlichen auf 2 Säulen:
Der Fritz-Chip (TPM)
Die Hardware-Komponente von TCPA, auch TPM (Trusted Platform Module) genannt, sitzt unverrückbar auf dem Motherboard oder ist sogar Teil des Prozessors. Bei jedem Start des PCs prüft dieser Chip, ob die restliche installierte Hardware den TCPA-Anforderungen entspricht und ob ein kompatibles Betriebssystem - also eines von Microsoft - vorhanden ist. Diese erste Hürde dürfte bereits das Aus für Linux sein und eine Raubkopie von Windows hat natürlich erst recht keine Chance. Es wäre auch leicht möglich, einen CD-Brenner als unsichere Hardware einzustufen und den Boot-Vorgang zu unterbinden, solange dieses Werkzeug der Software-Piraterie eingebaut ist. Alle grossen Hardware-Hersteller wollen den Fritz-Chip bereits in die nächste Computer-Generation integrieren. Wer sich also demnächst einen neuen PC kauft, der bekommt ihn gratis dazu, ob er will oder nicht.
Die Palladium-Software
Palladium ist Teil des Betriebssystems und wacht darüber, welche Programme und Dateien sicher sind. Anders ausgedrückt: Es passt auf, was der Benutzer darf und was nicht. Jedesmal, wenn ein Programm gestartet oder eine Datei geöffnet wird, dann fragt Palladium über das Internet bei einem zentralen Server nach, ob diese Aktion überhaupt erlaubt ist. Anwendungen, die nicht für den aktuellen Rechner lizenziert sind, d.h. die nicht gekauft wurden, oder die gar nicht in der zentralen Liste aufgeführt sind, werden dann einfach nicht gestartet. An diesem Punkt scheitern alle Free- und Shareware-Programme von kleinen Anbietern, die nicht die 100.000 Dollar übrig haben, um sich in die elitäre Liste eintragen zu lassen. Wer illegal erworbene MP3s oder Spielfilme auf der Festplatte hat, muss sich jedoch keine Sorgen machen. Palladium kann diese Dateien automatisch löschen und den Benutzer so vor strafbaren Handlungen bewahren. Für solche Leute ist das aber ohnehin egal, denn die können es sich sowieso nicht leisten, den ganzen Tag online zu bleiben. Und wenn keine Internet-Verbindung besteht, muss der Rechner leider aus bleiben, weil Palladium nicht arbeiten kann.
Ist ein solches Szenario wünschenswert? Für Microsoft, den Drahtzieher hinter TCPA, ganz sicher, denn alle bisherigen Versuche, Raubkopien von Windows-Betriebssystemen und Office-Anwendungen allein durch software-seitige Sperren zu unterbinden, sind kläglich gescheitert. Meistens waren die Sicherheits-Mechanismen schon geknackt, bevor die Software offiziell auf den Markt kam. Auch die Spielfilm- und Musikindustrie dürfte sich freuen, denn geklaute Titel lassen sich ohne Lizenz einfach nicht mehr abspielen. TCPA tut also nur das, was ein gesetzestreuer Bürger auch von selbst tun würde. Es sorgt dafür, dass jedes Bit auf der Festplatte ordnungsgemäß lizenziert und bezahlt ist. Aber, Hand aufs Herz: bei welchem Rechner ist das wirklich der Fall? Wer hat genug Geld, um sich jedes Popel-Programm registrieren zu lassen? Anstatt den Endbenutzer mit technischen Tricks zu reglementieren und zu kriminalisieren, sollte man doch besser einen Gang zurückschalten. Ein milliardenschwerer Bill Gates hat es doch eigentlich nicht nötig, bei jedem PC auf dieser Erde gnadenlos die Hand aufzuhalten. Informationen und die Mittel zu ihrer Nutzung sollten für den privaten, nicht kommerziellen Gebrauch prinzipiell frei zugänglich sein, denn davon lebt unsere moderne Kommunikations-Gesellschaft. In diesem Sinn sollten auch rechtliche Begriffe, wie "Geistiges Eigentum" oder "Urheberschaft", neu überdacht und weniger streng definiert werden. Allerdings müssten dann innovative Formen der Vermarktung gefunden werden (z.B. pauschale Abgaben beim Kauf eines PCs und bei der Internetnutzung), denn ganz leer wollen und sollen die Multimedia- und Software-Hersteller ja auch nicht ausgehen. Wenn Information aber nur unter dem Profit-Gesichtspunkt betrachtet wird, dann werden all jene ausgegrenzt, die sich deren Beschaffung nicht leisten können. TCPA würde das Ende von Vielfalt und Freiheit im Internet bedeuten, denn nur wer genug bezahlt, könnte noch an dieser Form von Kultur teilhaben.
Über die Nutzung nicht lizenzierter Software kann man geteilter Meinung sein (obwohl sich Microsoft Windows erst auf diese Weise weltweit verbreiten konnte), aber TCPA hat noch eine andere Seite. Wie bereits erwähnt, meldet Palladium jeden Programmstart an einen zentralen Server. Dort wäre es natürlich leicht möglich, die Daten zu speichern und so das Verhalten jedes einzelnen Benutzers aufzuzeichnen. Wer verwendet welche Programme zu welchem Zeitpunkt und welche Dateien werden damit geöffnet? Das wäre ganz einfach zu ermitteln und sowohl von kommerziellen wie auch von staatlichen Stellen zu allerlei interessanten Auswertungen zu gebrauchen. Datenschützern müssten sich bei dieser Vorstellung von totaler Überwachung die Haare zu Berge stellen!
Ein weiteres Problem ergibt sich für Leute, die wie ich hin und wieder selbst kleine Programme für den Eigengebrauch schreiben, weil sie im Internet nicht das Richtige finden oder weil es einfach Spass macht. Auch diese Programme würden von Palladium als unsicher eingestuft und wären nicht mehr lauffähig. Kleinen Software-Unternehmen, die sich zur Zeit noch in Marktnischen halten können, würde es da nicht viel besser gehen, denn die Gebühr von 100.000 $ für eine Zertifizierung könnte keiner dieser Betriebe aufbringen. TCPA dient also auch dazu, lästige Konkurrenz vom Markt zu drängen und ein Monopol aufzubauen, mit dem sich dann die Preise diktieren lassen.
Leider kursieren über TCPA jede Menge unbestätigte Gerüchte und auch dieser Artikel kann natürlich keinen Anspruch auf absolute Objektivität erheben. Möglicherweise wird doch alles nicht so schlimm, wie es sich zur Zeit darstellt, aber die geschilderten Gefahren bestehen und könnten durchaus schon bald Realität werden. Ein kleiner Lichtblick bleibt jedoch. Wenn nur einer der grossen Hardware-Hersteller nicht bei TCPA mitzieht und keine Fritz-Chips in seine Rechner einbaut, dann könnte er mit genau diesem Mangel ein Bombengeschäft machen. Auf solchen PCs würden dann auch Palladium-freie Betriebssyteme wie Linux laufen und wenn sich genug Anwender für diese verlockende Alternative entscheiden, dann kann Microsoft dicht machen.
Nachtrag vom 14.05.2003
TCPA heist jetzt TCG (Trusted Computing Group), sonst ändert sich nix. Da die Abkürzung TCPA dank der wachsenden Gegnerschaft mittlerweile reichlich negativ besetzt ist, hat man sich kurzer Hand für eine Umbenennung entschieden. Die dabei entstandene Mogelpackung TCG ist aber inhaltlich so sehr mit TCPA identisch, dass sogar die Rechtschreibfehler in den Spezifikationen übernommen wurden.
Nachtrag vom 28.06.2003
Kommentar zu
"Nach Bill Gates wird Palladium auch Orwells Schreckensvision verhindern.
Bei einer US-Sicherheitskonferenz vertrat Bill Gates die Ansicht, dass auch Sicherheitstechnologien die in Orwells Roman "1984" beschriebenen Schreckensvisionen verhindern können. Die "Trustworthy Computing Initiative" von Microsoft trage dazu bei. Noch mehr Schutz der Privatsphäre und eine höhere Datensicherheit würde Palladium bieten, das vor Hackern, Viren und Datendiebstahl schützt. Gleichzeitig begrüßte Bill Gates den Datenaustausch der Behörden zur Verbrecherjagd und die Datenbanken dazu ...
"
(Nachricht auf sternshortnews, 28.06.2003)
Zynismus pur! Aber warum eigentlich nicht? In letzter Zeit werden ja auch Kriege geführt, um den Frieden zu erhalten. Offenbar sind die Orwell'schen Sprach-Perversionen aus "1984" in den USA schon längst Realität und je häufiger sie in dieser Weise zum Zweck der allgemeinen Volksverdummung angewendet werden, desto näher kommen wir der zitierten Schreckensvision. Wenn ich die Wahl habe, ob ich mich lieber von Hackern oder von Microsoft und dem Staat ausspionieren lasse, dann entscheide ich mich für die Hacker, denn gegen die kann ich mich wenigstens mit Virenschutz-Software und einer Firewall wehren.
Nachtrag vom 18.11.2005: TCPA am Ende?
Seit dieser Artikel entstand sind fast 3 Jahre vergangen und es hat sich viel getan. Von den ursprünglichen TCPA/TCG-Spezifikationen ist glücklicherweise kaum noch etwas übrig geblieben. So will Microsoft in die neue Windows-Version Vista nur noch einen durchaus sinnvollen Dateisystem-Schutz auf TCPA-Basis einbauen. Aber auch ein DRM-System (Digital Rights Management), oder zumindest die Voraussetzungen dafür, sind in Vista vorgesehen. So ganz kann man also doch nicht von einer Bevormundung der Benutzer ablassen, denn das DRM soll als unerwünschter Kopierschutz für z.B. Multimedia-Dateien wirken und wird sicher die üblichen Macken derartiger Techniken besitzen. Das ist noch immer schlimm genug und deshalb wäre eine Entwarnung auf jeden Fall verfrüht. Ausserdem stellt sich die Frage, ob man bei Microsoft tatsächlich ernsthafte Konsequenzen aus der breiten Ablehnung von TCPA/TCG gezogen hat, oder ob man lediglich wartet, bis Gras über die leidige Angelegenheit gewachsen ist. Wenn die nötige Hardware genug Verbreitung gefunden hat (im Moment ist sie ja noch weitgehend funktionslos), dann könnte man ja schleichend sämtliche alten Pläne verwirklichen, ohne dass mit nennenswertem Widerstand zu rechnen wäre. Aber ich will nicht schon wieder zu schwarz sehen, denn zumindest im Augenblick scheint TCPA nicht mehr das Thema zu sein, das es noch vor 3 Jahren war.

 
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