Dr. Freund's Multiversum
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20.07.2002: Der Untergang der Musikindustrie
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Der Untergang der Musikindustrie

Meine Meinung
am
20.07.2002
Kommentar zu
"P2P-Börsen: Industrie gibt es zu - sie speisen selber ganze Songs ein.
... Jetzt gaben Plattenlabels wie EMI und ZYX Music im Magazin Musikwoche bekannt, Tauschbörsen als Werbeträger zu nutzen. Dafür würden die Labels ganze Songs in die Tauschbörsen einspeisen. Vornehmlich um so noch recht unbekannte Bands zu promoten ..."

(Nachricht auf sternshortnews, 19.07.2002)
Urheberrecht
TCPA? Nein Danke!
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Über mich
Seit einiger Zeit sind die "Peer-To-Peer"-Tauschbörsen (P2P), wie Kazaa, E-Donkey, Grokster, Morpheus und andere, die erklärten Feinde der Musikindustrie. Denn dort kann man fast jeden aktuellen Song im MP3-Format ohne grossen Aufwand und vor allem kostenlos downloaden. Das Prinzip ist einfach: jeder Nutzer der P2P-Netzwerke ist angehalten, eigene MP3s (oder auch andere Dateien) für die Allgemeinheit freizugeben. So dienen eigene Downloads wieder als Quelle für die Downloads anderer Nutzer. Ein Musiktitel, der einmal eingespeist wurde, verbreitet sich auf diese Weise lawinenartig über das gesamte Netz und ist schnell für alle Mitglieder zugänglich.
Klar, dass so etwas den Zorn der Musikindustrie erregt, die an dem ganzen Tauschgeschäft keinen Cent verdient. Deshalb steht sie auch im dringenden Verdacht, virtuelle Sabotage-Akte auf die P2P-Netze zu verüben, um den Schwarzhandel mit Musik einzudämmen. Es ging sogar so weit, dass t-online Abmahnungen an User verschicken musste, die urheberrechtlich geschütztes Material zum Tausch anboten.
(siehe http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,180163,00.html)
Um das ganze Gejammere der Musikindustrie im richtigen Licht zu sehen, hier nochmal ein "historischer" Rückblick:
  • Als in den 1920er-Jahren Grammophone in den Gastwirtschaften aufgestellt wurden, klagten die Künstler-Agenturen:
    "Jetzt wird jeder Schallplatten abspielen und niemand mehr unsere Musikkapellen engagieren. Wir sind ruiniert!"
  • Als in den 1970er-Jahren die ersten Cassetten-Recorder auf den Markt kamen, klagte die Musikindustrie:
    "Jetzt wird jeder die Musik aus dem Radio aufnehmen und niemand mehr unsere Platten kaufen. Wir sind ruiniert!"
  • Als sich Anfang der 1990er Jahre in fast jedem Haushalt Videorecorder etabliert hatten, klagte die Musikindustrie:
    "Jetzt wird jeder die Musik-Videos aus Fernsehsendungen aufnehmen und niemand mehr unsere CDs kaufen. Wir sind ruiniert!"
Was ist dann wirklich passiert? Nichts! Ich habe noch keinen Popstar gesehen, der Betteln gehen musste, weil einige seiner CDs kopiert wurden. Im Gegenteil! In der Musikbranche werden nach wie vor Beträge gezahlt, von denen ein normaler Sterblicher nur träumen kann. Das ist bei 15 bis 20 EURO für eine CD auch kein Wunder, und deshalb hat jeder, der eine günstigere Alternative nutzt, mein vollstes Verständnis. Es sind sowieso nur wenige, die genug Geduld aufbringen, um sich stundenlang vor den PC zu setzen und so viele qualitativ akzeptable MP3s zu sammeln, dass sie sich von Zeit zu Zeit eine Musik-CD für den privaten Gebrauch brennen können. Tatsächlich geht es auch gar nicht um das überstrapazierte Argument, dass die Künstler angeblich um ihren wohlverdienten Lohn gebracht würden. Die könnten mit anderen Vermarktungsmethoden ihre Tantiemen nämlich auch bei einer Verbreitung ihrer Musik über das Internet erhalten. Vielmehr sieht sich das parasitäre Umfeld bedroht, das von dem Handel mit Rechten an Musiktiteln und der Herstellung von Tonträgern lebt und durch das Internet eigentlich überflüssig geworden ist.
Ich gehe sogar noch weiter:
Ohne Raubkopien von Songs würde es der Musikindustrie viel schlechter gehen! Der freie Austausch von Musiktiteln im Internet steigert deren Popularität ungemein. Und wer sich ein paar MP3s von einer Musikgruppe gezogen hat, der wird sich vielleicht auch deren ganze CD kaufen, ein Konzert besuchen oder Fan-Artikel bestellen. Wie die oben auszugsweise abgedruckte Meldung beweist, hat die Musikindustrie das bereits erkannt und ist selbst auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Auch viele Musiker sehen die Sache mittlerweile ähnlich, da ihre Gewinne nach der Freigabe ihrer Songs für das Internet gestiegen sind. Die durch freie Downloads verschenkten Einnahmen werden dabei durch die fehlende Beteiligung der Musikkonzerne mehr als ausgeglichen.
Deshalb mein Aufruf an die Musikindustrie:
Schluss mit dem ewigen Gejammer! Gegen die Prinzipien des Internets, wie Informationsfreiheit und freien Datenaustausch, habt Ihr sowieso keine Chance. Also macht einfach das Beste daraus und unterstützt diese Prinzipien, anstatt sie zu bekämpfen!
Mehr zum Thema "Freier Datenaustausch im Internet" findest Du hier:
TCPA? Nein Danke!
Wer hat (Urheber-)Recht?
Am Rande bemerkt:
Warum muss denn jeder Pop-Star unbedingt ein Millionär sein? Die Musiker sollten sich doch eigentlich freuen, wenn die Message in Ihren Songs auch die Leute erreicht, die sich den Erwerb der CDs nicht leisten können. Seltsamerweise beschweren sich aber genau die Superstars am lautesten (Metallica, Madonna, etc.), die ohnehin schon Kohle satt haben, und man könnte fast denken, dass es hier nicht um irgendwelche höheren Botschaften, sondern wirklich nur ums Geld geht. Wer vorgibt, er wolle durch sein "künstlerisches Schaffen" die Welt verändern und dann doch nur möglichst effektiv sein eigenes Bankkonto füllt, dem schadet es sicher nicht, wenn einige seiner Scheiben in den Regalen liegen bleiben.
Nachtrag vom 12.09.2002
Kommentar zu
"Band 'Bon Jovi' presst PIN-Codes auf ihre CDs gegen Raubkopierer.
Die Band 'Bon Jovi' will auf dem neuen Album 'Bounce' ein besonderes Feature anbieten. Auf die CD soll ein PIN-Code aufgepresst werden, mit dem man sich auf der Bandwebseite registrieren lassen kann und damit viele Vorzüge geniesst. So kommt man z.B. in eine Song-Area, wo man sich Musiktitel runterladen kann. Auch bevorzugter Ticketverkauf gehört zu den Angeboten. Bon Jovi will so gegen Raubkopien vorgehen.
Die Idee ist es, dem Konsumenten durch diesen PIN-Code und seine Möglichkeiten mehr zu bieten als nur die pure CD mit den Liedern. Damit soll der Schritt, eine CD legal zu erwerben, attraktiver gemacht werden.
"
(Nachricht auf sternshortnews, 12.09.2002)
Naja, für mich wäre das nicht unbedingt so ein toller Anreiz, mir eine überteuerte CD zu kaufen. Es gibt ja schon länger Musik-CDs mit zusätzlichen Daten-Tracks, auf denen sich kleine Programme für den Zugang auf die Internetseiten der Bands befinden. Das sieht man sich einmal an (wenn man es überhaupt bemerkt) und danach ist es vergessen. Die Idee von Bon Jovi ist also weder neu, noch besonders originell.
Leider geht aus der Meldung nicht hervor, ob der PIN-Code oder ein anderer Schutz das Kopieren der CD auch technisch verhindert, aber das wäre natürlich legitim. Man kann die Produzenten ja nicht dazu zwingen, freiwillig Raubkopien zuzulassen, obwohl eine Gegenmassnahme existiert.
Nachtrag vom 19.09.2002
Kommentar zu
"Verkaufszahlen drastisch gesunken: CD-Singles fast vor dem Aus.
Wie der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft meldet, seien die Verkaufszahlen von Singles dieses Jahr im Gegensatz zum ersten Halbjahr 2002 um drastische 27 Prozent gesunken. Stephan Laack, Musikchef des Radiosenders Eins Live nennt die "Piraterie" im Internet Hauptursache für die Verkaufsrueckgänge ...
Nun will ein Teil der Musikindustrie den Markt wieder ankurbeln, indem statt einem Lied in 4 Versionen nun wieder 2 Lieder auf die Platte kommen ...
"
(Nachricht auf sternshortnews, 19.09.2002)
Und womit sind die Verkaufszahlen gesunken? Mit Recht! Eine Single-CD, auf der für teures Geld 4 mal der gleiche Song runtergenudelt wird, ist ja auch fast schon eine Frechheit. Das Vorhaben, wenigstens 2 Lieder auf eine CD zu brennen, ist schon mal ein Fortschritt, aber immer noch etwas mager, denn die Single-CDs kosten trotzdem ein Mehrfaches der früheren Vinyl-Singles (kennt die noch jemand?). Das war übrigens von Anfang an so, aber über die fetten Gewinne aus der Umstellung von Vinyl auf CD hat sich die Musikindustrie seltsamerweise nicht beklagt.
Ob das "böse" Internet allein an dem Rückgang schuld ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Herr Laack sollte sich mal an die eigene Nase fassen, denn wer jeden Tag im Radio die Top-Ten hoch und runter spielt, darf sich nicht wundern, wenn das Publikum irgendwann übersättigt ist und für die Songs nicht auch noch bezahlen will.
Aber was soll's? Ich kaufe mir sowieso nur ganze Alben, da muss man nicht ständig zum CD-Player rennen.
Nachtrag vom 06.02.2003
Jetzt hat es auch mich erwischt! Heute erhielt ich eine E-Mail von der "Deutsche Landesgruppe der IFPI e.V. . IFPI - International Federation of the Phonographic Industry" (komplizierter Name und wahrscheinlich eine hochwichtige Organisation). Darin wurde ich ultimativ aufgefordert, die auf meiner Musikseite verfügbar gemachten "rechtsverletzenden Angebote" zu entfernen und auch alle eventuell vorhandenen Komplizen dieser Straftat zu denunzieren. Mein Verbrechen bestand darin, eine Hand voll MP3s von jeweils kaum einer Minute Dauer zur Verfügung gestellt zu haben. Diese MP3s sollten lediglich zu Werbezwecken dienen und den geneigten Hörer zum legalen Kauf der Vollversionen bei einem meiner Sponsoren animieren. Aber wenn diese Leute nicht wollen, dass ich für ihre überteuerten CDs Werbung mache, dann lasse ich es eben bleiben. Ich habe deshalb alle beanstandeten MP3s von meinem Server gelöscht und die Links entfernt.
Mein Kommentar: Dieser überzogene Rundschlag trifft in meinem Fall jemanden, der der Musikindustrie bestimmt nicht geschadet, sondern es zumindest an dieser Stelle ausnahmsweise mal gut gemeint hat. Wer mit Kanonen auf Spatzen schiesst, sollte wenigstens aufpassen, dass er selbst keinen Treffer abbekommt. Abgesehen davon ist trotz des autoritären Auftretens der Musikindustrie die Rechtslage keineswegs eindeutig. Unter dem Eindruck der gegen mich erhobenen Vorwürfe habe ich mich mittlerweile kundig gemacht und zahlreiche, sich widersprechende Auslegungen des Urheberrechts gefunden. Zwar ist das Anbieten kompletter Musikstücke auf einer Webseite grundsätzlich untersagt, kurze Ausschnitte, für deren Länge es allerdings nur Faustregeln gibt (z.B. 10% des Stücks, maximal 30 Sekunden), könnten jedoch als zulässiges Musikzitat interpretiert werden (VII. Absatz, § 52 des Bundesgesetzes über das Urheberrecht an Werken der Literatur und der Kunst und über verwandte Schutzrechte).
Das Internet ist nach wie vor eine urheberrechtliche Grauzone, aber obwohl in mir keinerlei Unrechtsbewusstsein gereift ist, kann ich nur jedem davon abraten, meinen Fehler zu wiederholen. Bisher bin ich mit dem Schrecken davon gekommen, denn eine offizielle, kostenpflichtige Abmahnung ist ausgeblieben. Allerdings erfolgte auch keinerlei Reaktion auf meine Antwort, in der ich meinen Standpunkt höflich dargelegt und eine gütliche Regelung der Angelegenheit vorgeschlagen habe. Wahrscheinlich hat man das bei der IFPI nicht nötig und deshalb freut mich jede Nachricht, in der erneut von massiven Umsatzeinbußen am Musikmarkt berichtet wird. Bleibt zu hoffen, dass es sich hier nur um die letzten panischen Zuckungen einer überflüssigen Institution vor ihrem endgültigen Verschwinden handelt.

 
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